Wann ist der Mensch krank – wann ist er gesund?

Oktober 20th, 2015

Zu dieser Frage versammelten sich vor ein paar Tagen eine Gruppe von Menschen, um sie in einem NewSocraticDialogue zu beantworten.

Der NewSocraticDialogue ist eine Methode, bei der eine überschaubare Gruppe von Menschen von einem Beispiel ausgehend versucht, eine verallgemeinerbare und konsensuelle Antwort auf eine Frage zu entwickeln, ohne Zuhilfenahme von Büchern u.ä..

Wir waren uns ziemlich schnell einig, dass Gesundheit ein Ideal ist, das wohl kaum ein Mensch erreicht. Die Älteren haben Arthrose, die Jüngeren vielleicht Karies oder schiefe Zähne, die gerichtet werden müssen (müssen?).

Wenn wir also nie komplett gesund sind, kommt es darauf an, wie wir uns selbst sehen, ob wir uns als krank oder als gesund bezeichnen. Und wie wir uns dazu verhalten. Denn wenn wir sagen, wir seien krank, und gleichzeitig nichts dagegen unternehmen, dann verhalten wir uns widersprüchlich. Oder umgekehrt, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Gesundheit ist, wenn man es der ärztlichen Behandlung entzieht.“

Mein Fazit nach dem Gespräch ist das:

Ein Mensch ist eher krank, wenn er nach Heilung sucht, um die Krankheit zu bekämpfen.

Hat er die Diagnose/den Zustand akzeptiert und versucht, damit zu leben, ist er weniger krank. Um damit zu leben, kann ihm helfen:

  • psychischer Wille, die Krankheit nicht ins Zentrum seines Interesses zu stellen, sondern stattdessen beglückende Momente oder andere Lebensziele, die Erfülltheit schenken
  • Kenntnisse über die Krankheit, z. B. den Verlauf kennen, oder die Dauer der Schmerzwellen kennen
  • Methoden und Techniken, mit denen sich Schmerzen lindern oder vermeiden lassen
  • Möglichkeiten außerhalb seiner selbst, trotz der Krankheit eine Lebenserfüllung zu finden. Diese Möglichkeiten können sowohl Hilfsmittel wie Rollstühle als auch Menschen sein, von denen man geliebt wird oder mit denen man befreundet ist und die einem Zuwendung schenken.

Diese Antworten waren nicht auf eine tödliche Krankheit bezogen, sondern auf eine chronische, die nicht zum Tod führt. Trotzdem habe ich erlebt, dass sie auch auf die Zustände passen, in denen Menschen wissen, dass sie an der Krankheit sterben werden.

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Haarverlust – wie wird die Angst davor kleiner?

März 14th, 2014

Fast alle Frauen, mit denen ich gesprochen habe, fürchten sich vor einer Chemo am meisten davor, die Haare zu verlieren. Warum? Haarverlust ist keine Übelkeit. Haarverlust macht keine Schmerzen. Es könnte eigentlich egal sein.

Ich erinnere mich noch genau, wie oft ich vor dem Spiegel stand und mir vorstellte, wie ich wohl ohne Haare aussehen würde. Mit Handtüchern und Bändern habe ich sie mir aus dem Gesicht gehalten. Immer wenn ich nicht schlafen konnte, fand ich mich wieder und wieder vor dem Spiegel und habe mir mich ohne Haare vorzustellen versucht. Ich empfand es selbst als große Niederlage, mich vor dem Haarverlust zu fürchten. Es war so irrational: ich hatte gerade den Krebs überlebt, da fürchte ich mich vor Haarverlust? Was waren das denn für Maßstäbe?

Ich fing an, die Angst zu rationalisieren. Ok, ich war eitel. Ok, für Frauen sind die Haare wichtiger als für Männer. Und ok – erst durch den Haarverlust wird der Krebs sichtbar – für alle sichtbar. Und dann kann man ihm mental nicht mehr entrinnen, denn man wird immer wieder darauf gestoßen. Durch Spiegel, durch andere, durch Perückengefühl. Eben etwas Fremdes auf dem Kopf. Der Kopf ist schließlich etwas anderes als ein Zeh. Ein Zeh ist weit weg vom Wesentlichen. Aber der Kopf? Der ist das Wesentliche.

Das Rationalisieren machte Spaß. Die Angst wurde davon aber nicht kleiner.

Ich brauchte eine andere Strategie.

Damals ersann ich eine Lösung, die ich heute überall im Leben anwende: Ich beschloss, etwas zu erfinden, wie mir das, was bevorstand, Spaß machen konnte. Wenn ich meine Frisur so sehr vermissen würde, müsste also dafür etwas her, was den Verlust wettmacht und noch etwas oben drauf setzt (im wahrsten Sinne des Wortes). Es musste etwas sein, das nicht nur kaschiert, sondern noch toller ist als eine Frisur.   Und so habe ich Perücken erfunden. Perücken unglaublicher Machart. Wolle, Luftschlangen, Plastikschnüre, Geschenkbänder – nichts war vor mir sicher. Alles wurde zu Kopfbedeckungen und Ersatzhaaren und -Frisuren verarbeitet. Die Phantasie tobte aus mir heraus und machte die Zukunft unbegrenzt.

Das war das Prinzip: der Bedrohung mit Kreativität begegnen. Sich nicht von der Zukunft beschränken lassen, sondern selbst die Zukunft überraschen. Auch wenn es (nur) eine Phantasie von Allmacht war, sie war zum Verlieben…

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Geh Deinen Weg – Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Januar 9th, 2013

In Anknüpfung an die inzwischen sehr beliebten Tageswanderungen für Krebsbetroffene rund um Oldenburg und die erfolgreiche Pilgerwanderung in 2012 auf dem Sigwardsweg planen wir für 2013 weitere interessante Wanderungen.

Sich selbst wieder etwas zutrauen nach einer Krebserkrankung, so könnte das Motto der Wanderungen lauten. Die körperliche Leistungsfähigkeit und das Selbstbewußtsein wird gestärkt, und im Gehen können Erfahrungen mit der Erkrankung besser verarbeitet werden. Wissenschaftliche Studien belegen sogar eine Verringerung des Rückfallrisikos und eine Verlängerung der Lebenszeit durch körperliche Bewegung.

Gerade das Wandern, die Bewegung zu Fuß in der Natur, ist die natürlichste Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Wandern im Ammerland bei Oldenburg

Wanderweg im Ammerland bei Oldenburg

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, hier vor Ort gemeinsam mit anderen Teilnehmern, geführt von dem erfahrenen Wanderführer Wolfgang Ehlts, Erfahrungen mit dem Thema „Bewegen zu Fuß“ zu sammeln. Gewinnen Sie das Vertrauen in die KräfteIhres Körpers zurück.

Wandern auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Als Einstieg für Sie sollten Sie an mindestens einer Tageswanderung teilnehmen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Diese Wanderung wird Sie mit leichtem Gepäck (Ihre Tagesverpflegung) über circa 18 bis 20 km auf dem Ringweg um Oldenburg oder in die Oldenburger Umgebung führen.

Sollte Ihnen diese Aktivität zusagen, und Sie Kraft und Mut für weitere Wanderungen aufbringen, wird der Wanderführer Wolfgang Ehlts gerne mit Ihnen über 5 Tage hinweg insgesamt circa 90 km auf dem Hümmlinger Pilgerweg pilgern. Unterkünfte sind für Sie vorgebucht. Ein Gepäcktransport kann von Ihnen ganz oder teilweise in Anspruch genommen werden. Wir empfehlen, trotzdem nur das wirklich Notwendige mitzunehmen.

Wir starten in Börger mit dem Pilgersegen und enden auch dort wieder. In 5 Etappen führt uns der landschaftlich schöne Pilgerweg ohne größere Steigungen durch den Hümmling.

Die im Voraus zu überweisenden Kosten für die Pilgerwanderung in Höhe von 320 Euro beinhalten die Fahrtkosten hin und zurück, 4 Übernachtungen mit Frühstück, die Wanderleitung, gegebenenfalls Gepäcktransport, das Informationsmaterial zur Strecke und den Pilgerpass. Kalkulieren Sie bitte weitere individuelle Kosten für Ihre Verpflegung unterwegs.

Die Teilnahme an den Tageswanderungen sind bis auf Ihre persönlichen An- und Abreisekosten sowie gegenenfalls Verzehr unterwegs kostenlos.

Für die Tageswanderungen sinnvoll

Wanderweg bei Oldenburg mit Wald, Feld und Bach

Zwischen Feld und Wald am Bach wandern im Ammerland bei Oldenburg

 feste Wanderschuhe

 normaler kleiner Rucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Lunchpaket

 Regenkleidung

Für die Pilgerwanderung sinnvoll

 feste Wanderschuhe

 Wanderrucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Obst und Snacks für unterwegs

 Regenkleidung

 Schuhe und Kleidung zum Wechseln

Weg auf Wiesengrund im Ammerland bei Oldenburg

Wandern auf Wiesenwegen im Ammerland bei Oldenburg

 gegebenenfalls etwas Lesestoff

Termine 2013

 27. April 2013

Tageswanderung

 25. Mai 2013

Tageswanderung

 20. Juli 2013

Tageswanderung

 7. September 2013

Tageswanderung

 27. September 2013

Vorbereitungstreffen zur Pilgerwanderung

 7. – 11. Oktober 2013

Pilgerwanderung auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung. Die Anmeldung für die Pilgerwanderung sollte bis Ende August 2013 erfolgen.

Veranstalter der Pilgerwanderung ist die Krebsberatungsstelle des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems im GesundheitsamtOldenburg, Industriestraße 1, 26121 Oldenburg

Ansprechpartnerin für weitere Informationen und Anmeldungen (bitte schriftlich) ist bei Dagmar Lienau, Telefon: 0441 235 8635, Krebsberatungsstelle Oldenburg.

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Tageswanderung für Krebsbetroffene – Erlebnisbericht

Juli 16th, 2012

Es war letzten Samstag und sah den ganzen Tag nach Regen aus. Aber es war nur eine Tageswanderung und ich dachte, abends in die warme Badwanne und dann ist alles wieder gut. Und wie das so ist, wenn man erst mal losgeht, am Ende regnet es dann doch fast gar nicht.

Erst einmal  im Leben vorher war ich 19 km am Tag gelaufen – vielleicht war es aber auch weniger. Ich wollte gerne ausprobieren, wie das ist. Was ich wußte, war, dass jemand die Wanderung führt. Das war richtiger Luxus, nicht gucken zu müssen, ob man sich verlaufen hat. Was ich nicht wußte, war, wie viele mitkommen und wie lange es dauert.

Am Bahnhof habe ich die Mitwandernden an der Größe der Rucksäcke erkannt. Wir waren eine kleine Gruppe von vier Frauen und zwei Männern. Einige hatten abgesagt. (Vielleicht wegen des Wetters?) Es wurde sofort geduzt und der “Anführer” hieß Wolfgang.

Nach 10 Minuten Zugfahrt standen wir vor dem Bahnhof und wanderten los. Am Bach entlang, durch eine Wiese mit Skulpturen. An Gehöften und Bauerngärten vorbei, später durch Mais- und Kornfelder. Meistens gingen wir zu zweit und tauschten ab und zu den Partner. Wir haben über Urlaube geredet und über Kochrezepte und welche Hobbies und komischen Angwohnheiten die zuhause gebliebenen Partner hatten. Einer kaufte gerne Hemden, obwohl er schon so viele hat. Ein anderer fror immerzu, während seiner Frau immer zu warm war. Noch ein anderer kochte gern und wieder ein anderer sorgte immer für übervolle Kühlschränke und Gefriertruhen. Es gab auch jemand, mit dem man schweigend laufen konnte. Auch das war schön.

Immer wieder tauchte diese Frage auf: Wieviele Kilometer haben wir schon? Ist das schon ein Viertel? Ist das die Hälfte oder schon mehr?  – Warum wollten die das wissen? War das so etwas wie “Mama, wie lange noch? Wann sind wir da?” Später dachte ich, dass es darum ging, die eigenen Kräfte einschätzen zu lernen. Bei vielen lag die Erkrankung noch nicht lange zurück. Einige hatten auch schon eine andere Tagestour oder eine mehrtägige Pilgertour mitgemacht und tauschten Tipps aus. Z. B. muss man bei Muskelkater Treppen rückwärts runtergehen, weil man es sonst nicht aushält.

Wolfgang achtete darauf, dass das Tempo für alle passend war. Auf dem Mauerrand eines Windrades haben wir eine Essenspause eingelegt. Ich habe noch nie so viele gesunde Snacks auf einmal gesehen. Die regelmäßigen Geräusche der Windräder kannte ich auch noch nicht. Das war zwar nicht wirklich romantisch, aber das Essen schmeckte so gut und die heitere Stimmung machte Spaß: “Wo kann man denn hier pinkeln?” “Im Maisfeld hinterm Windrad. Für 50 Cent.”

Dann ging es weiter, diesmal durch Wäldchen, an einem See vorbei. Manche Wege waren bemoost. Kleinen Fröschchen, so groß wie ein kleiner Fingernagel, sind wir begegnet, Rehe und Hasen sprangen durch das Gras und eine tote Rötelmaus lag auf dem Weg, schon stark von Ameisen besucht.

Als es auf den letzten Kilometern anfing zu regnen, fing einer an, Witze zu erzählen. Und alle fanden, wir hatten Glück. Als wir im Bus saßen, war Ausruhen wunderbar. Nur Wolfgang wäre den Weg am liebsten noch einmal gegangen.

Was bleibt? Platzen vor Stolz. Denn der Oberwanderer Wolfgang hat gesagt, wir wären nicht sonderlich langsam gewesen. Es bleiben die Bilder der Landschaften, der Stimmungen und Eindrücke. Es bleibt eine Gelassenheit und eine ruhige Zuversicht.

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Pilgerwanderung

Mai 29th, 2012

Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Die Krebsberatungsstelle der Stadt Oldenburg und des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems bietet im Sommer wieder Tageswanderungen unter Leitung des erfahrenen Wanderführers Wolfgang Ehlts an. Teilnehmen können Krebsbetroffene aus Oldenburg und Umgebung. Die nächsten Tagestouren finden am 14.Juli und 15.September 2012 statt: Gewandert werden 19 bzw. 16 Kilometer auf dem Ringweg um Oldenburg. Zurück geht es mit dem Bus.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung im nächsten Frühjahr dienen, wie sie im Mai diesen Jahres das erste Mal stattgefunden hat. Vom 7. bis 11. Mai 2012 ist eine Gruppe Krebsbetroffener 80 Kilometer von Minden nach Idensen auf dem Sigwardsweg gewandert.  „Allein hätte ich das nicht geschafft!“ so die Aussage von mehreren der insgesamt 8 Teilnehmer (7 Frauen und ein Mann im Alter zwischen 44 und 68 Jahren) an der Pilgerwanderung für Krebsbetroffene. Trotz schlechter Nachrichten zwischendurch und verschiedener gesundheitlicher Einschränkungen erreichten alle Teilnehmer stolz und mit gestärktem Selbstbewußtsein das Ziel, die Sigwardskirche in Idensen, und erhielten dort den Abschlußsegen. Begleitet wurde die Gruppe vom Wanderführer Wolfgang Ehlts und der Psychologin der Krebsberatungsstelle im Gesundheitsamt, Dagmar Lienau, auf ihrem Weg durch das Wiehengebirge, das Wesergebirge und über die Bückeberge bis nach Idensen.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung dienen, es kann aber auch unabhängig vom Interesse an einer längeren Wanderung teilgenommen werden.

Anmeldungen nimmt die Krebsberatungsstelle Oldenburg unter Telefon 0441 235-8635 oder per E-Mail an Dagmar.Lienau@stadt-oldenburg.de entgegen, außerdem Dr. Wolfgang Oschkenat unter Telefon 0441 36144007, der sich als Bewegungsmediziner am Wanderprojekt der Krebsberatungsstelle beteiligt.

Kosten: Dank der Unterstützung durch die Sparda-Bank müssen nur die Fahrtkosten  getragen werden.

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Es muss nicht immer der Jakobsweg sein: dann mal weg auf dem Sigwardsweg

März 17th, 2012

Wandern oder Pilgern ist seit Hape Kerkeling hoch im Kurs. Haben Sie auch schon von Pilgern für Krebsbetroffene gehört? Dr. Freerk Baumann von der Sporthochschule in Köln wandert schon sehr lange mit seinen Patienten. Über die Alpen gings für Männer mit Prostata-Krebs. Mit Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, reiste er nach Norwegen in den Schnee, wo sie alle Iglus bauten und darin übernachteten. Eine Gruppe von Frauen schickte er fast zwei Monate lang über den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela .

Neuerdings muss man nicht nur auf dem Jakobsweg pilgern. Die Krebsberatungsstelle in Oldenburg bietet im Mai eine Wanderung auf dem Sigwardsweg an. Siehe auch in diesem Blog unter Termine.

Aber was ist am Wandern eigentlich so schön? Klar: die Landschaft, die frische Luft und im Mai meistens das Wetter. Wandern kann aber noch mehr sein: Durch die Regelmäßigkeit der Schritte und des Tempos wird das Atmen gleichmäßig, ohne dass man sich darauf besonders konzentrieren muss. Wandern wird so etwas wie Meditation. Für Krebsbetroffene ist es besonders hilfreich: die gleichmäßige Bewegung stärkt den Körper. Sie nimmt die gedankliche und psychische Belastung.  Wandern und Pilgern geben das Vertrauen in den eigenen Körper und in die eigenen Kräfte zurück, was durch die Krankheit gründlich verunsichert wurde. Nicht zuletzt macht Wandern und Pilgern “rechtschaffen” müde und einen wunderbar erholsamen Schlaf. Wandern – mit allem, was man dabei spürt und erlebt, macht ein intensives Gefühl von Lebendig-Sein. Statt Angst wächst Dankbarkeit.

Übrigens ist das Besondere am Oldenburger Angebot, dass es eine Probewanderung für diejenigen gibt, die noch nicht wissen, ob sie sich die größere Tour zutrauen. Die Eintagesour zum Schnuppern führt von Oldenburg nach Hude (ca. 18. km). Falls man sich die 5-Tagestour nicht zutraut, kann man also erst einmal ausprobieren, wie man das denn so schafft…

Na, Lust gekriegt? Einfach die Links anklicken und in der Krebsberatungsstelle anrufen.

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Kümmere Dich nicht um Deine Gefühle – die ziehen Dich nur runter…

September 23rd, 2011

Klingt seltsam, oder? In einer Gesellschaft, in der wir alle therapiert sind und Psychologen und Therapeuten für alle unsere Probleme da sind, halten wir gemeinhin unsere Gefühle für das Wahre, das eigentliche Ich. Ich fühle, also bin ich…

Aber die  Überschrift ist das Ende der Geschichte. Angefangen hat alles ganz anders.

Am Anfang war ich nur irritiert. Später habe ich mich enorm aufgeregt.

Es begann bei einer Podiumsdiskussion, die ich zu moderieren hatte. Die Leiterin einer Krebsselbsthilfegruppe ließ die Bemerkung fallen:

“Die Frage >Warum ich?< soll man sich ja gar nicht stellen.”  “???” “Ja, das wird  immer wieder gesagt.”  “AAA-Ha.”

Die zweite Situation war der Vortrag einer Psychoonkologin: “Fragen Sie bloß nicht >Warum ich?< – da kommen Sie in Teufels Küche.”

Da saß ich nun als Patientin und als Philosophin mit zwei Staatsexamen und hörte mir an, wie die Frage “Warum ich?” mit einer Art Denkverbot versehen wurde. Wie kann das sein? Für mich und andere Philosophen repräsentiert die Frage “Warum ich?” die gesamte existenzielle Situation eines Menschen, der die sinnhafte Einheit seiner Biografie verloren hat. Die schockhafte Diagnose wirft einen Menschen in eine fundamentale existenzielle Krise. Das muss gar keine psychische Krise sein. Die Plötzlichkeit der Diagnose trennt einen Menschen von Gewissheiten und Sicherheiten, die bisher galten. Auf einmal stimmt gar nichts mehr. Alles ist aus den Fugen. Was vorher wahr war, nämlich dass man sich gesund fühlte, dass Zukunft einfach immer da und planbar war, dass das eigene Leben so unbedroht war, dass es einem gar nicht auffiel – das war auf einmal alles gelogen. Das Leben vorher erscheint wie abgetrennt. Die Sinnfrage stellt sich radikal. Da braucht man irgendeine Verbindung, eine Brücke, die wieder einen “gesunden” Zusammenhang zu dem Leben vorher und dem Leben jetzt herstellt. Ein “gesunder” Zusammenhang könnte gestiftet werden durch eine sinnvolle Erklärung. Der Weg dahin wurzelt in der Frage “Warum ich?”.

(Durch den intensiven öffentlichen Diskurs über Krebs fragen sich heute auch schon viele PatientInnen “warum nicht auch ich?” Das ist nicht weniger philosophisch, setzt es doch beim eigenen Mensch-Sein an.)

Die Furcht vieler Therapeuten und Psychoonkologen ist, dass Menschen, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen, sich in eine niederziehende Spirale von Schuldgefühlen verstricken, aus der sie sich nur schwer wieder befreien können. Die vorgezeichnete Antwort für viele – so wird befürchtet – würde die Vorstellung sein, dass eine Krebserkrankung eine Strafe sei für vorherige Verfehlungen. Das ist in Kulturen, die sich “Du-sollst-nicht-Moralen” verbunden füheln, kein Wunder (!). Schulderzeugende Denkmodelle müssen unbedingt hinterfragt werden und an Alternativen gemessen werden. Dazu braucht man ein dialogwilliges, kluges Gegenüber.

Aber einfach zu raten, beschäftige Dich lieber nicht  mit der Frage, ist ungefähr so, als würde ich jemandem in einer verzweifelten Lage sagen: “Kümmer Dich nicht um Deine Gefühle, die ziehen Dich nur runter.” Genauso wie Gefühle, ist die Frage “Warum ich?” nämlich einfach da. Existenzielle Situationen haben das so an sich, dass sie Fragen aufwerfen und wir nicht unbedingt frei entscheiden können, ob wir uns ihnen stellen oder nicht. Sie stellen sich uns. Wenn wir sie verdrängen, geben wir vieles von uns auf: die Reflexion über uns und unser Leben, die Deutungschancen unserer Widerfahrnisse, einen Weg in unsere autonome, mentale und wertegebundene Verortung.

Also: Wenn Sie fühlen, dass ein “Warum ich?” sich in Ihnen entfacht hat, dann stellen Sie sich die Frage ruhig. Und suchen Sie sich kluge und weise GesprächspartnerInnen. Und kneten Sie gemeinsam jede Antwort gut auf ihren Sinngehalt durch. Und entscheiden Sie am Schluss, welche der Antworten Sie am besten trägt. Sie werden es merken: Denken hilft!

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Philosophieren mit Bildern (6): Nebel

Juni 1st, 2011
Landschaft im Nebel

Landschaft im Nebel

Morgens beim Walken, es war gar nicht mehr so früh, vielleicht schon halb acht. Der Nebel war dicht. Alles sah verschwommen aus. Außer mir war niemand unterwegs. Alles war nur für mich da. Meine geliebte Strecke – ich kenne sie wie meine Westentasche – zeigte sich von einer seltenen und überraschenden Seite: ziemlich verschleiert. Ich finde diese Wege immer schön, doch heute Morgen schienen sie mir besonders anmutig und geheimnisvoll.

Wie wäre es mir eigentlich vorgekommen,wenn ich diese Landschaft nicht so gut kennen würde? Wenn ich nicht wüßte, was alles im Nebel verborgen bleibt? Wenn ich nicht wüßte, wie der Weg weitergeht? Wenn ich immer  nur 20 Meter weit sehen könnte, was da kommt?

Ich müßte mich auf Vieles in meiner Nähe konzentrieren, weil weit Entferntes nicht in meinen Blick geraten kann. Vielleicht würde ich langsamer gehen, weil mich nichts aus der Ferne zieht. Ich würde länger bei den Dingen verweilen, sie länger betrachten. Dann würde mir das Weniger-Sehen-Können Zeit schenken. Und intensivere Erlebnisse beim Da-Sein.

Vielleicht würde ich aber auch schneller gehen wollen, damit ich auch das sehen kann, was sich im Nebel verbirgt. Trotz geringeren Überblicks könnte ich loslaufen und mich überraschen lassen von Begegnungen. Dabei hätte ich das Gefühl, immer wieder Neuland zu betreten. Ohne lange anvisiert worden zu sein, könnten Begegnungen und Erlebnisse auf mich zukommen. Auch das würde sich sehr lebendig anfühlen.

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Abschiedsritual

Januar 18th, 2011

Abschied schmerzt. Endgültiger Abschied schmerzt dauerhaft. Deswegen sind Abschiedsrituale wichtig. Sie lindern den Schmerz. Warum können sie das?

Abschiedsrituale,  die in Gemeinschaft gefeiert werden,  lindern Schmerz, weil sie ermöglichen, ihn zu teilen. Sie schaffen ein Erlebnis, das in die Zeit nach dem Verlust gehört. Sie sind eine Verbindung zwischen der Zeit mit dem Menschen, der nun gestorben ist und der Zeit nach seinem Tod. Der Bruch, mit dem der Tod die Zeit des gewohnten Miteinanders von uns trennt, wird so verbunden.

Das mobile Hospiz- und Palliativteam der Tiroler Hospizgemeinschaft feiert ein Jahresritual, dessen Bilder sich lohnen, angeguckt zu werden.

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Fragen am Ende des Lebens

Oktober 22nd, 2010

In meinen gestrigen Vortrag “Fragen am Ende des Lebens” für das Hospiz in Lüneburg habe ich über einen Konflikt gesprochen, der Menschen bei einer Krebsdiagnose heimsuchen kann. Mitten in den Schock, den die Erkrankung oft bedeutet, mischt sich manchmal Verzweiflung. Ein philosophisches Gespräch hat gute Möglichkeiten, aus der Verzweiflung herauszuhelfen. Denn hinter ihr verbirgt sich eine Vorstellung von gerechter, fairer Behandlung. Etwa so: Ich möchte eigentlich vom Leben genauso wichtig genommen werden, wie ich auch mein Leben wichtig nehme. Das wäre gerecht, ausgewogen, ausbalanciert. Oder: Ich habe mein Leben geschenkt bekommen und möchte es auch behalten. Als Kind haben wir das oft gesagt: Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestolen. Da ist dann das Gefühl: Es ist unfair, was diese Krankheit mir antut. Manche Menschen forschen auch nach einem Grund oder einer Ursache, warum ihnen diese Krankheit beschert wird. Etwa: Was habe ich verbrochen, wofür das jetzt die Quittung ist. Auch das ist eine Vorstellung von Gerechtigkeit im Sinne von Ausgleich. Etwas Gutes wird mit Gutem vergolten und etwas Böses mit Bösem. Es wird eine Balance, eine Ausgewogenheit wieder hergestellt. Man kann in einem philosophischen Gespräch nach vielen Seiten abwägen, was an einer solchen Haltung sinnvoll ist und was daran nicht sinnvoll ist. Man kann über die Gründe reden, warum jemand das denkt, was er denkt. Man kann z. B. fragen,warum Böses mit Bösem vergolten werden soll. Und man kann schließlich überlegen, welche Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness man verwirklichen würde, wenn man die Welt selbst erfinden würde.

Am Ende sagte einer der Zuhörer, dass es Gerechtigkeit doch gar nicht gäbe. Ob es Menschen bei Erdbeben oder Flutkatastrophen träfe, es sei niemals gerecht. Das stimmt, wenn es die nicht-menschliche Natur betrifft. Die handelt nicht nach Prinipien der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine Erfindung von Menschen. Ohne Menschen gäbe es sie nicht. (Was nicht automatisch heißt, dass es sie mit Menschen denn gibt.) Ohne Menschen gäbe es aber nicht einmal die Idee von Gerechtigkeit. Und nur weil wir diese Idee haben, regen wir uns überhaupt darüber auf, wenn es ungerecht zugeht. Auch wenn wir in unserem Handeln die Prinzipien von Gerechtigkeit nicht walten lassen, spüren wir dennoch ziemlich schnell, wann wir dagegen verstoßen. Ganz im Unterschied zu Krebs, Erdbeben und Überschwemmungen. Die kommen einfach und haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

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