An die Decke gucken

Oktober 21st, 2011

Kennt Ihr das auch? Da liegt man nun im Krankenhaus, kann nicht schlafen, kann sich nicht richtig bewegen, weil alles weh tut. Und macht sich Sorgen, weil man nicht weiß, was aus einem wird. Ich gucke dabei oft an die Decke. Im Krankenhaus ist die weiß und nicht wirklich anregend.

Da bin ich lieber bei meiner Zahnärztin. Da liege ich im Behandlungsstuhl und gucke auch an die Decke. Aber das ist eine Decke, die hat es in sich. Da gibt es in jedem Behandlungszimmer Fresken und Landschaften mit Sonnenschein und blühende Hügel und Seen, die zum Bade rufen. In diesen Bildern gehe ich spazieren, statt zu grübeln. Ich phantasiere mir die Düfte der Luft und das Vogelgezwitscher hinzu und tauche ab in eine bessere Welt, in der es Zahnschmerzen, Spritzen und Behandlung nicht gibt.

Warum gibt es solche Decken nicht auch in Krankenhäusern? Sie würden so gut dabei helfen, auf gute Gedanken zu kommen. Sie könnten dazu anregen, sich an die eigene Phantasie zu erinnern. Sie könnten zum Träumen provozieren! Also: Warum gibt es sie nicht? Vielleicht zu teuer?

Ich habe noch einen Vorschlag. Der hängt bei meiner Freundin Dörte in der Küche an der Decke. Der macht auch gute Stimmung und lässt von Schatzkisten träumen. Und sieht so aus:

Dörtes Lampe

Was für ein Luxus! In der Küche, wo man auf die wohldekorierten gefüllten Teller guckt, während einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Da hängt dieser Gute-Laune-Macher an der Decke! Es wäre doch wirklich viel besser über einem Krankenbett aufgehoben, wo es so nötig wäre, gute Laune zu verbreiten und zum Träumen zu animieren.

Findet Ihr nicht auch?

Und wenn Ihr ein Krankenhaus kennt mit schönen Decken über den Betten, sagt mir die Adresse.

Nur so für den Fall….

Schlagwörter:, , , , ,

Philosophieren mit Bildern (6): Nebel

Juni 1st, 2011
Landschaft im Nebel

Landschaft im Nebel

Morgens beim Walken, es war gar nicht mehr so früh, vielleicht schon halb acht. Der Nebel war dicht. Alles sah verschwommen aus. Außer mir war niemand unterwegs. Alles war nur für mich da. Meine geliebte Strecke – ich kenne sie wie meine Westentasche – zeigte sich von einer seltenen und überraschenden Seite: ziemlich verschleiert. Ich finde diese Wege immer schön, doch heute Morgen schienen sie mir besonders anmutig und geheimnisvoll.

Wie wäre es mir eigentlich vorgekommen,wenn ich diese Landschaft nicht so gut kennen würde? Wenn ich nicht wüßte, was alles im Nebel verborgen bleibt? Wenn ich nicht wüßte, wie der Weg weitergeht? Wenn ich immer  nur 20 Meter weit sehen könnte, was da kommt?

Ich müßte mich auf Vieles in meiner Nähe konzentrieren, weil weit Entferntes nicht in meinen Blick geraten kann. Vielleicht würde ich langsamer gehen, weil mich nichts aus der Ferne zieht. Ich würde länger bei den Dingen verweilen, sie länger betrachten. Dann würde mir das Weniger-Sehen-Können Zeit schenken. Und intensivere Erlebnisse beim Da-Sein.

Vielleicht würde ich aber auch schneller gehen wollen, damit ich auch das sehen kann, was sich im Nebel verbirgt. Trotz geringeren Überblicks könnte ich loslaufen und mich überraschen lassen von Begegnungen. Dabei hätte ich das Gefühl, immer wieder Neuland zu betreten. Ohne lange anvisiert worden zu sein, könnten Begegnungen und Erlebnisse auf mich zukommen. Auch das würde sich sehr lebendig anfühlen.

Schlagwörter:, , , , ,

Fragen am Ende des Lebens

Oktober 22nd, 2010

In meinen gestrigen Vortrag “Fragen am Ende des Lebens” für das Hospiz in Lüneburg habe ich über einen Konflikt gesprochen, der Menschen bei einer Krebsdiagnose heimsuchen kann. Mitten in den Schock, den die Erkrankung oft bedeutet, mischt sich manchmal Verzweiflung. Ein philosophisches Gespräch hat gute Möglichkeiten, aus der Verzweiflung herauszuhelfen. Denn hinter ihr verbirgt sich eine Vorstellung von gerechter, fairer Behandlung. Etwa so: Ich möchte eigentlich vom Leben genauso wichtig genommen werden, wie ich auch mein Leben wichtig nehme. Das wäre gerecht, ausgewogen, ausbalanciert. Oder: Ich habe mein Leben geschenkt bekommen und möchte es auch behalten. Als Kind haben wir das oft gesagt: Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestolen. Da ist dann das Gefühl: Es ist unfair, was diese Krankheit mir antut. Manche Menschen forschen auch nach einem Grund oder einer Ursache, warum ihnen diese Krankheit beschert wird. Etwa: Was habe ich verbrochen, wofür das jetzt die Quittung ist. Auch das ist eine Vorstellung von Gerechtigkeit im Sinne von Ausgleich. Etwas Gutes wird mit Gutem vergolten und etwas Böses mit Bösem. Es wird eine Balance, eine Ausgewogenheit wieder hergestellt. Man kann in einem philosophischen Gespräch nach vielen Seiten abwägen, was an einer solchen Haltung sinnvoll ist und was daran nicht sinnvoll ist. Man kann über die Gründe reden, warum jemand das denkt, was er denkt. Man kann z. B. fragen,warum Böses mit Bösem vergolten werden soll. Und man kann schließlich überlegen, welche Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness man verwirklichen würde, wenn man die Welt selbst erfinden würde.

Am Ende sagte einer der Zuhörer, dass es Gerechtigkeit doch gar nicht gäbe. Ob es Menschen bei Erdbeben oder Flutkatastrophen träfe, es sei niemals gerecht. Das stimmt, wenn es die nicht-menschliche Natur betrifft. Die handelt nicht nach Prinipien der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine Erfindung von Menschen. Ohne Menschen gäbe es sie nicht. (Was nicht automatisch heißt, dass es sie mit Menschen denn gibt.) Ohne Menschen gäbe es aber nicht einmal die Idee von Gerechtigkeit. Und nur weil wir diese Idee haben, regen wir uns überhaupt darüber auf, wenn es ungerecht zugeht. Auch wenn wir in unserem Handeln die Prinzipien von Gerechtigkeit nicht walten lassen, spüren wir dennoch ziemlich schnell, wann wir dagegen verstoßen. Ganz im Unterschied zu Krebs, Erdbeben und Überschwemmungen. Die kommen einfach und haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

Schlagwörter:, , , , , , , , , ,

Philosophieren mit Bildern (2)

Mai 24th, 2010

Brücke und Fenster, Venedig 2010

Wohin kann man sehen? Auf Mauern, auf Wasser, auf ein geschlossenes Fenster. Es gibt Andeutungen von Wegen und Auswegen. Rechts kann das Wasser unter der Brücke durchfließen. Man kann nicht sehen, wohin. Man ahnt, dass man auch über die Brücke gehen kann, aber man sieht es nicht. Das Fenster ist geschlossen – nicht ganz dicht, aber es gibt keinen Blick auf das dahinter liegende Zimmer. Statt auf Weite, Horizont, Perspektiven blickt man auf Mauern. Alles scheint still zu sein. Auch das Wasser ist still. Trotzdem zeigt sich  viel: Es gibt eine Farbigkeit, da ist ein kleiner Sonneneinfall im Wasser, die Mauern leben durch Spuren von Verwitterung. Der kleine Spalt in den Türblenden läßt vermuten, dass das Zimmer bewohnt ist. Vielleicht hört man Geräusche von innen.

Und wohin geht der eigene Weg? Um über die Brücke zu gehen, muss man das Bild verlassen können. Vor sich hat man das Wasser. Wie tief? Das Fenster zu hoch. Das Bild zeigt einen Zustand, nicht einen Ausweg. Es zeigt Ruhe. Zeigt es Abweisung? Zeigt es Geborgenheit? Engt es ein? Zu welcher Phantasie – zu welchen Gedanken über das Leben oder über dessen Ende regt uns das Bild an?

Schlagwörter:, , , , ,

Kolleginnen aus meinem Netzwerk: TANZMOHN – Monika Hoffmann

April 16th, 2010
Im Rahmen der Tanztherapie begleite ich Frauen nach der Diagnose Krebs.
Ich nenne dieses Angebot: “Ich tanze mich ins Leben!”
Die betroffenen Frauen genießen in meinen Gruppen und auch in der Einzelberatung, dass sie so sein dürfen, wie sie sich gerade erleben. Alle Bewegungen, Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken erhalten den ihnen entsprechenden Raum, dürfen ausgedrückt und betrachtet werden.
Dieses Erleben von Freiheit und Sicherheit unterstützt die Frauen bei ihrer Krankheitsverarbeitung und kann den Anfang für einen neuen Weg ins Leben bilden.
Ich arbeite in Bremen, und meine Gruppen und Einzelberatungen finden in Blumenthal (Bremen-Nord) statt.
Für nähere Informationen und aktuelle Termine: Praxis TANZMOHN – Monika Hoffmann - 0421/6887999

Schlagwörter:, , , ,

Suzy Lee, Welle … ein Bilderbuch

März 9th, 2010

ich finde: besonders für Erwachsene!

Suzy Lee, Welle

Das Format ist wie der Horizont am Meer. So breit kam noch kein Buch daher. Ein Mädchen, immer begleitet von  fünf Möwen, erlebt einen Tag am Meer. Es gibt eine reiche Gefühlswelt wie im richtigen Leben: Neugier, Stutzen, Respekt, Allmachtsphantasien, Planschwut, Schreck, Überraschung… Man erlebt die  Annäherung eines zuerst vorsichtigen Mädchens an ein neues Element. Die Annäherung verläuft nicht gradlinig, jede Seite ist eine Überraschung. Am Schluss winkt das Mädchen dem Meer zum Abschied zu.

Suzy Lee ist eine geniale Zeichnerin, die mit einem sparsamen flüssigen Strich alle Empfindungen in den Körperausdruck des kleinen Mädchens legt. Das Buch braucht keine Worte. Und es braucht kaum Farben. Suzy Lee kommt mit zweien  aus. Das Meer ist blau, alles andere grau. Da das Meer sich nicht an seine Grenzen hält, breitet sich das Blau immer weiter aus. Wie das Meer seine Schätze.

Warum dieses Buch auf der gesund-mit-krebs-Seite?

Ich finde, das Mädchen zeigt Mut für eine vielfältige Annäherung an etwas, das gefährlich sein kann und nicht nur harmlos ist. Das Meer sehe ich hier auch als Symbol für die Widerfahrnisse des Lebens. Das Mädchen verabschiedet sich am Ende freundlich vom Meer. Es spiegelt vielleicht den einen oder anderen Weg, den manche Erkrankte gegangen sind. Auf jeden Fall lohnt es sich, mal zu gucken, wozu das kleine Mädchen uns anregt. Eines Tages wird sich jeder Mensch von seinem Leben verabschieden müssen. Können wir das dann auch freundlich?

Meine Lieblingsseite?

Die, auf der das Mädchen dem Meer in Siegerpose die Zunge rausstreckt.

Wenn Sie es kaufen möchten, klicken Sie hier.

Schlagwörter:, , , , ,