Routine. Mammographie – Sonographie: Unklarer Befund…

März 27th, 2012

Unklarer Befund.

Und sofort ist es wieder da.

Das Gefühl, wie es ist, von Minute zu Minute zu leben. Zukunft bedeutet Angst. Von Minute zu Minute leben. Von jetzt zu jetzt. Kein Gleich. Kein Später. Kein Morgen. Zukunft bedeutet Angst. So vertraut: von Minute zu Minute. So geborgen. Von Minute zu Minute.

Alle Sonne von jetzt ist für mich. Das Vogelgezwitscher von jetzt ist für mich. Der einzige Sinn: mir das Leben schön zu machen. Das Leben, das jetzt wieder nur bis zum Tellerrand geht. Außerhalb des Tellerrands zwitschern Vögel, um andere aus ihrem Nistrevier zu vertreiben. Da geht es um Brut, um Aufzucht nachfolgender Vogelgenerationen. Alles Zukunft. Geht mich nichts an.

Auf der Autobahnauffahrt vorbeifahren an ungepflegten Böschungen. Müll. Zerfetzte Plastiktüten in Büschen. Was soll’s. Dann sterben wir eben. Die Welt war wenigstens nicht immer schön. Kahle Sträucher und blattlose Gebüsche. Wie öde. Wie trist. Warum hängt man eigentlich am Leben? An dieser Welt?

Und dann muss man den liebsten Lieben so viel Leid bescheren. Das ist das eigentlich Unerträgliche. Das Leid der Liebsten. Unerträglich.

Wieder zurück: Tellerrand. Von Minute zu Minute. Es erträglicher machen. Die unfreiwillige Fastenzeit. Fasten müssen am Leben.

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Fragen am Ende des Lebens

Oktober 22nd, 2010

In meinen gestrigen Vortrag “Fragen am Ende des Lebens” für das Hospiz in Lüneburg habe ich über einen Konflikt gesprochen, der Menschen bei einer Krebsdiagnose heimsuchen kann. Mitten in den Schock, den die Erkrankung oft bedeutet, mischt sich manchmal Verzweiflung. Ein philosophisches Gespräch hat gute Möglichkeiten, aus der Verzweiflung herauszuhelfen. Denn hinter ihr verbirgt sich eine Vorstellung von gerechter, fairer Behandlung. Etwa so: Ich möchte eigentlich vom Leben genauso wichtig genommen werden, wie ich auch mein Leben wichtig nehme. Das wäre gerecht, ausgewogen, ausbalanciert. Oder: Ich habe mein Leben geschenkt bekommen und möchte es auch behalten. Als Kind haben wir das oft gesagt: Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestolen. Da ist dann das Gefühl: Es ist unfair, was diese Krankheit mir antut. Manche Menschen forschen auch nach einem Grund oder einer Ursache, warum ihnen diese Krankheit beschert wird. Etwa: Was habe ich verbrochen, wofür das jetzt die Quittung ist. Auch das ist eine Vorstellung von Gerechtigkeit im Sinne von Ausgleich. Etwas Gutes wird mit Gutem vergolten und etwas Böses mit Bösem. Es wird eine Balance, eine Ausgewogenheit wieder hergestellt. Man kann in einem philosophischen Gespräch nach vielen Seiten abwägen, was an einer solchen Haltung sinnvoll ist und was daran nicht sinnvoll ist. Man kann über die Gründe reden, warum jemand das denkt, was er denkt. Man kann z. B. fragen,warum Böses mit Bösem vergolten werden soll. Und man kann schließlich überlegen, welche Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness man verwirklichen würde, wenn man die Welt selbst erfinden würde.

Am Ende sagte einer der Zuhörer, dass es Gerechtigkeit doch gar nicht gäbe. Ob es Menschen bei Erdbeben oder Flutkatastrophen träfe, es sei niemals gerecht. Das stimmt, wenn es die nicht-menschliche Natur betrifft. Die handelt nicht nach Prinipien der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine Erfindung von Menschen. Ohne Menschen gäbe es sie nicht. (Was nicht automatisch heißt, dass es sie mit Menschen denn gibt.) Ohne Menschen gäbe es aber nicht einmal die Idee von Gerechtigkeit. Und nur weil wir diese Idee haben, regen wir uns überhaupt darüber auf, wenn es ungerecht zugeht. Auch wenn wir in unserem Handeln die Prinzipien von Gerechtigkeit nicht walten lassen, spüren wir dennoch ziemlich schnell, wann wir dagegen verstoßen. Ganz im Unterschied zu Krebs, Erdbeben und Überschwemmungen. Die kommen einfach und haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

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Philosophieren mit Bildern (3)

Juni 3rd, 2010

Durchgang zwischen Häusern

Zukunft kann kurz sein.

Hoffnung kann vielfältig sein.

Um in die Sonne zu gelangen, muss man durch diesen schmalen Durchgang. Auch danach gibt es keinen weiten Horizont, keine breite Perspektive. Auch das Haus im Hintergrund wirft wieder Schatten.

Aber immerhin: es gibt bunte Wäsche und eine Lampe. Kleine Alltäglichkeiten, auf die die verstellenden Mauern einen Blick freigeben.

Die Hauswände im Vordergrund haben auch im Schatten deutliche Strukturen, Farb- und Grafittispuren.  Jeder Stein ist anders geformt und gefärbt.

Der Holzbalken in der linken Hauswand führt geradezu den Blick in die Mitte, auf die bunte Wäsche. Obwohl die wieder im Schatten hängt, ist sie der farbenfrohe “Lichtblick” im Bild.

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