Geh Deinen Weg – Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Januar 9th, 2013

In Anknüpfung an die inzwischen sehr beliebten Tageswanderungen für Krebsbetroffene rund um Oldenburg und die erfolgreiche Pilgerwanderung in 2012 auf dem Sigwardsweg planen wir für 2013 weitere interessante Wanderungen.

Sich selbst wieder etwas zutrauen nach einer Krebserkrankung, so könnte das Motto der Wanderungen lauten. Die körperliche Leistungsfähigkeit und das Selbstbewußtsein wird gestärkt, und im Gehen können Erfahrungen mit der Erkrankung besser verarbeitet werden. Wissenschaftliche Studien belegen sogar eine Verringerung des Rückfallrisikos und eine Verlängerung der Lebenszeit durch körperliche Bewegung.

Gerade das Wandern, die Bewegung zu Fuß in der Natur, ist die natürlichste Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Wandern im Ammerland bei Oldenburg

Wanderweg im Ammerland bei Oldenburg

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, hier vor Ort gemeinsam mit anderen Teilnehmern, geführt von dem erfahrenen Wanderführer Wolfgang Ehlts, Erfahrungen mit dem Thema „Bewegen zu Fuß“ zu sammeln. Gewinnen Sie das Vertrauen in die KräfteIhres Körpers zurück.

Wandern auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Als Einstieg für Sie sollten Sie an mindestens einer Tageswanderung teilnehmen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Diese Wanderung wird Sie mit leichtem Gepäck (Ihre Tagesverpflegung) über circa 18 bis 20 km auf dem Ringweg um Oldenburg oder in die Oldenburger Umgebung führen.

Sollte Ihnen diese Aktivität zusagen, und Sie Kraft und Mut für weitere Wanderungen aufbringen, wird der Wanderführer Wolfgang Ehlts gerne mit Ihnen über 5 Tage hinweg insgesamt circa 90 km auf dem Hümmlinger Pilgerweg pilgern. Unterkünfte sind für Sie vorgebucht. Ein Gepäcktransport kann von Ihnen ganz oder teilweise in Anspruch genommen werden. Wir empfehlen, trotzdem nur das wirklich Notwendige mitzunehmen.

Wir starten in Börger mit dem Pilgersegen und enden auch dort wieder. In 5 Etappen führt uns der landschaftlich schöne Pilgerweg ohne größere Steigungen durch den Hümmling.

Die im Voraus zu überweisenden Kosten für die Pilgerwanderung in Höhe von 320 Euro beinhalten die Fahrtkosten hin und zurück, 4 Übernachtungen mit Frühstück, die Wanderleitung, gegebenenfalls Gepäcktransport, das Informationsmaterial zur Strecke und den Pilgerpass. Kalkulieren Sie bitte weitere individuelle Kosten für Ihre Verpflegung unterwegs.

Die Teilnahme an den Tageswanderungen sind bis auf Ihre persönlichen An- und Abreisekosten sowie gegenenfalls Verzehr unterwegs kostenlos.

Für die Tageswanderungen sinnvoll

Wanderweg bei Oldenburg mit Wald, Feld und Bach

Zwischen Feld und Wald am Bach wandern im Ammerland bei Oldenburg

 feste Wanderschuhe

 normaler kleiner Rucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Lunchpaket

 Regenkleidung

Für die Pilgerwanderung sinnvoll

 feste Wanderschuhe

 Wanderrucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Obst und Snacks für unterwegs

 Regenkleidung

 Schuhe und Kleidung zum Wechseln

Weg auf Wiesengrund im Ammerland bei Oldenburg

Wandern auf Wiesenwegen im Ammerland bei Oldenburg

 gegebenenfalls etwas Lesestoff

Termine 2013

 27. April 2013

Tageswanderung

 25. Mai 2013

Tageswanderung

 20. Juli 2013

Tageswanderung

 7. September 2013

Tageswanderung

 27. September 2013

Vorbereitungstreffen zur Pilgerwanderung

 7. – 11. Oktober 2013

Pilgerwanderung auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung. Die Anmeldung für die Pilgerwanderung sollte bis Ende August 2013 erfolgen.

Veranstalter der Pilgerwanderung ist die Krebsberatungsstelle des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems im GesundheitsamtOldenburg, Industriestraße 1, 26121 Oldenburg

Ansprechpartnerin für weitere Informationen und Anmeldungen (bitte schriftlich) ist bei Dagmar Lienau, Telefon: 0441 235 8635, Krebsberatungsstelle Oldenburg.

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Tageswanderung für Krebsbetroffene – Erlebnisbericht

Juli 16th, 2012

Es war letzten Samstag und sah den ganzen Tag nach Regen aus. Aber es war nur eine Tageswanderung und ich dachte, abends in die warme Badwanne und dann ist alles wieder gut. Und wie das so ist, wenn man erst mal losgeht, am Ende regnet es dann doch fast gar nicht.

Erst einmal  im Leben vorher war ich 19 km am Tag gelaufen – vielleicht war es aber auch weniger. Ich wollte gerne ausprobieren, wie das ist. Was ich wußte, war, dass jemand die Wanderung führt. Das war richtiger Luxus, nicht gucken zu müssen, ob man sich verlaufen hat. Was ich nicht wußte, war, wie viele mitkommen und wie lange es dauert.

Am Bahnhof habe ich die Mitwandernden an der Größe der Rucksäcke erkannt. Wir waren eine kleine Gruppe von vier Frauen und zwei Männern. Einige hatten abgesagt. (Vielleicht wegen des Wetters?) Es wurde sofort geduzt und der “Anführer” hieß Wolfgang.

Nach 10 Minuten Zugfahrt standen wir vor dem Bahnhof und wanderten los. Am Bach entlang, durch eine Wiese mit Skulpturen. An Gehöften und Bauerngärten vorbei, später durch Mais- und Kornfelder. Meistens gingen wir zu zweit und tauschten ab und zu den Partner. Wir haben über Urlaube geredet und über Kochrezepte und welche Hobbies und komischen Angwohnheiten die zuhause gebliebenen Partner hatten. Einer kaufte gerne Hemden, obwohl er schon so viele hat. Ein anderer fror immerzu, während seiner Frau immer zu warm war. Noch ein anderer kochte gern und wieder ein anderer sorgte immer für übervolle Kühlschränke und Gefriertruhen. Es gab auch jemand, mit dem man schweigend laufen konnte. Auch das war schön.

Immer wieder tauchte diese Frage auf: Wieviele Kilometer haben wir schon? Ist das schon ein Viertel? Ist das die Hälfte oder schon mehr?  – Warum wollten die das wissen? War das so etwas wie “Mama, wie lange noch? Wann sind wir da?” Später dachte ich, dass es darum ging, die eigenen Kräfte einschätzen zu lernen. Bei vielen lag die Erkrankung noch nicht lange zurück. Einige hatten auch schon eine andere Tagestour oder eine mehrtägige Pilgertour mitgemacht und tauschten Tipps aus. Z. B. muss man bei Muskelkater Treppen rückwärts runtergehen, weil man es sonst nicht aushält.

Wolfgang achtete darauf, dass das Tempo für alle passend war. Auf dem Mauerrand eines Windrades haben wir eine Essenspause eingelegt. Ich habe noch nie so viele gesunde Snacks auf einmal gesehen. Die regelmäßigen Geräusche der Windräder kannte ich auch noch nicht. Das war zwar nicht wirklich romantisch, aber das Essen schmeckte so gut und die heitere Stimmung machte Spaß: “Wo kann man denn hier pinkeln?” “Im Maisfeld hinterm Windrad. Für 50 Cent.”

Dann ging es weiter, diesmal durch Wäldchen, an einem See vorbei. Manche Wege waren bemoost. Kleinen Fröschchen, so groß wie ein kleiner Fingernagel, sind wir begegnet, Rehe und Hasen sprangen durch das Gras und eine tote Rötelmaus lag auf dem Weg, schon stark von Ameisen besucht.

Als es auf den letzten Kilometern anfing zu regnen, fing einer an, Witze zu erzählen. Und alle fanden, wir hatten Glück. Als wir im Bus saßen, war Ausruhen wunderbar. Nur Wolfgang wäre den Weg am liebsten noch einmal gegangen.

Was bleibt? Platzen vor Stolz. Denn der Oberwanderer Wolfgang hat gesagt, wir wären nicht sonderlich langsam gewesen. Es bleiben die Bilder der Landschaften, der Stimmungen und Eindrücke. Es bleibt eine Gelassenheit und eine ruhige Zuversicht.

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Pilgerwanderung

Mai 29th, 2012

Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Die Krebsberatungsstelle der Stadt Oldenburg und des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems bietet im Sommer wieder Tageswanderungen unter Leitung des erfahrenen Wanderführers Wolfgang Ehlts an. Teilnehmen können Krebsbetroffene aus Oldenburg und Umgebung. Die nächsten Tagestouren finden am 14.Juli und 15.September 2012 statt: Gewandert werden 19 bzw. 16 Kilometer auf dem Ringweg um Oldenburg. Zurück geht es mit dem Bus.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung im nächsten Frühjahr dienen, wie sie im Mai diesen Jahres das erste Mal stattgefunden hat. Vom 7. bis 11. Mai 2012 ist eine Gruppe Krebsbetroffener 80 Kilometer von Minden nach Idensen auf dem Sigwardsweg gewandert.  „Allein hätte ich das nicht geschafft!“ so die Aussage von mehreren der insgesamt 8 Teilnehmer (7 Frauen und ein Mann im Alter zwischen 44 und 68 Jahren) an der Pilgerwanderung für Krebsbetroffene. Trotz schlechter Nachrichten zwischendurch und verschiedener gesundheitlicher Einschränkungen erreichten alle Teilnehmer stolz und mit gestärktem Selbstbewußtsein das Ziel, die Sigwardskirche in Idensen, und erhielten dort den Abschlußsegen. Begleitet wurde die Gruppe vom Wanderführer Wolfgang Ehlts und der Psychologin der Krebsberatungsstelle im Gesundheitsamt, Dagmar Lienau, auf ihrem Weg durch das Wiehengebirge, das Wesergebirge und über die Bückeberge bis nach Idensen.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung dienen, es kann aber auch unabhängig vom Interesse an einer längeren Wanderung teilgenommen werden.

Anmeldungen nimmt die Krebsberatungsstelle Oldenburg unter Telefon 0441 235-8635 oder per E-Mail an Dagmar.Lienau@stadt-oldenburg.de entgegen, außerdem Dr. Wolfgang Oschkenat unter Telefon 0441 36144007, der sich als Bewegungsmediziner am Wanderprojekt der Krebsberatungsstelle beteiligt.

Kosten: Dank der Unterstützung durch die Sparda-Bank müssen nur die Fahrtkosten  getragen werden.

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Es muss nicht immer der Jakobsweg sein: dann mal weg auf dem Sigwardsweg

März 17th, 2012

Wandern oder Pilgern ist seit Hape Kerkeling hoch im Kurs. Haben Sie auch schon von Pilgern für Krebsbetroffene gehört? Dr. Freerk Baumann von der Sporthochschule in Köln wandert schon sehr lange mit seinen Patienten. Über die Alpen gings für Männer mit Prostata-Krebs. Mit Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, reiste er nach Norwegen in den Schnee, wo sie alle Iglus bauten und darin übernachteten. Eine Gruppe von Frauen schickte er fast zwei Monate lang über den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela .

Neuerdings muss man nicht nur auf dem Jakobsweg pilgern. Die Krebsberatungsstelle in Oldenburg bietet im Mai eine Wanderung auf dem Sigwardsweg an. Siehe auch in diesem Blog unter Termine.

Aber was ist am Wandern eigentlich so schön? Klar: die Landschaft, die frische Luft und im Mai meistens das Wetter. Wandern kann aber noch mehr sein: Durch die Regelmäßigkeit der Schritte und des Tempos wird das Atmen gleichmäßig, ohne dass man sich darauf besonders konzentrieren muss. Wandern wird so etwas wie Meditation. Für Krebsbetroffene ist es besonders hilfreich: die gleichmäßige Bewegung stärkt den Körper. Sie nimmt die gedankliche und psychische Belastung.  Wandern und Pilgern geben das Vertrauen in den eigenen Körper und in die eigenen Kräfte zurück, was durch die Krankheit gründlich verunsichert wurde. Nicht zuletzt macht Wandern und Pilgern “rechtschaffen” müde und einen wunderbar erholsamen Schlaf. Wandern – mit allem, was man dabei spürt und erlebt, macht ein intensives Gefühl von Lebendig-Sein. Statt Angst wächst Dankbarkeit.

Übrigens ist das Besondere am Oldenburger Angebot, dass es eine Probewanderung für diejenigen gibt, die noch nicht wissen, ob sie sich die größere Tour zutrauen. Die Eintagesour zum Schnuppern führt von Oldenburg nach Hude (ca. 18. km). Falls man sich die 5-Tagestour nicht zutraut, kann man also erst einmal ausprobieren, wie man das denn so schafft…

Na, Lust gekriegt? Einfach die Links anklicken und in der Krebsberatungsstelle anrufen.

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Medizinische Hilfsmittel oder Modeartikel?

Februar 13th, 2012

Brustkrebspatientinnen haben manchmal das Pech, ein Lymphödem in der Hand oder im Arm  zu entwickeln. Dann gibt es außer Lymphdrainagen auch Kompressionshandschuhe und -ärmel, die immer getragen werden müssen. Lymphödeme sind meistens nur palliativ, nicht kurativ zu behandeln. Das heißt für die betroffenen Frauen, dass sie ihr Leben lang die Kompressionskleidungsstücke tragen müssen.

Nun wäre das ja sehr schön, wenn diese Kleidungsstücke Farben hätten, die sich nicht nur der Haut, sondern auch der übrigen Kleidung anpassten. Darüber habe ich gerade mit einer Herstellerfirma gesprochen. Leider war die Antwort: Das seien medizinische Hilfsmittel und keine Modeartikel.

Aha. Das war die Meinung der Firma. Meine Meinung ist das nicht. Schließlich gibt es auch Brillen, Hörgeräte, Rollstühle und Gehstützen in allen möglichen Farben, die das Leben bunt und schön machen. Und da ein solcher Handschuh oder Ärmel tagaus, tagein, von morgens bis abends und das Jahrzehnte lang, getragen werden muss, ist das auch ein Modeartikel.

Das Hautfarbene an medizinischen Hilfsmitteln soll den Makel vertuschen. So tun, als wäre nichts. Aber mal ehrlich: ein Lymphödem fällt doch jedem immer sofort auf. Man muss sich nur einmal die Hand geben oder eine Geste außerhalb der Jackentasche oder oberhalb des Tisches machen. Ich bin sogar einmal bei einem Museumsbesuch von einer Aufsichtsperson gefragt worden, welche Verletzung ich denn da hätte. Haufarbe vertuscht nichts, Hautfarbe evoziert Mitleid.

Da bevorzuge ich Schmückendes. Spitze drüber, Armbänder drauf, riesige Ringe, nicht zu eng natürlich. Und siehe da: einmal bin ich – im schwarzen Handschuh – schon gefragt worden, ob das eine Modeidee sei.

Was für Brillen, Hörgeräte, Rollstühle, Kinderpflaster, Gehstützen, Kompressionsstrümpfe gilt, gilt auch für Handschuhe und Ärmel: wenn sie mit Farben unsere Laune heben, dann müssen sie Farbe haben. Denn dauerhafte Gebrechen gehören zum Alltag. Warum soll es nicht möglich sein, ein Gebrechen an der Hand oder am Arm zu dekorieren? Sind wir nicht dann gerade so richtig gesund, wenn wir mit der Krankheit leben? Und Leben heißt: in allen Farben. Bitte!

(Ich habe übrigens ein Sanitätshaus, das mich versteht und Hersteller mit vielen verschiedenen Farben ausgräbt. An dieser Stelle nun auch einmal ganz herzlich DANKE!)

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An die Decke gucken

Oktober 21st, 2011

Kennt Ihr das auch? Da liegt man nun im Krankenhaus, kann nicht schlafen, kann sich nicht richtig bewegen, weil alles weh tut. Und macht sich Sorgen, weil man nicht weiß, was aus einem wird. Ich gucke dabei oft an die Decke. Im Krankenhaus ist die weiß und nicht wirklich anregend.

Da bin ich lieber bei meiner Zahnärztin. Da liege ich im Behandlungsstuhl und gucke auch an die Decke. Aber das ist eine Decke, die hat es in sich. Da gibt es in jedem Behandlungszimmer Fresken und Landschaften mit Sonnenschein und blühende Hügel und Seen, die zum Bade rufen. In diesen Bildern gehe ich spazieren, statt zu grübeln. Ich phantasiere mir die Düfte der Luft und das Vogelgezwitscher hinzu und tauche ab in eine bessere Welt, in der es Zahnschmerzen, Spritzen und Behandlung nicht gibt.

Warum gibt es solche Decken nicht auch in Krankenhäusern? Sie würden so gut dabei helfen, auf gute Gedanken zu kommen. Sie könnten dazu anregen, sich an die eigene Phantasie zu erinnern. Sie könnten zum Träumen provozieren! Also: Warum gibt es sie nicht? Vielleicht zu teuer?

Ich habe noch einen Vorschlag. Der hängt bei meiner Freundin Dörte in der Küche an der Decke. Der macht auch gute Stimmung und lässt von Schatzkisten träumen. Und sieht so aus:

Dörtes Lampe

Was für ein Luxus! In der Küche, wo man auf die wohldekorierten gefüllten Teller guckt, während einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Da hängt dieser Gute-Laune-Macher an der Decke! Es wäre doch wirklich viel besser über einem Krankenbett aufgehoben, wo es so nötig wäre, gute Laune zu verbreiten und zum Träumen zu animieren.

Findet Ihr nicht auch?

Und wenn Ihr ein Krankenhaus kennt mit schönen Decken über den Betten, sagt mir die Adresse.

Nur so für den Fall….

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Philosophieren mit Bildern (6): Nebel

Juni 1st, 2011
Landschaft im Nebel

Landschaft im Nebel

Morgens beim Walken, es war gar nicht mehr so früh, vielleicht schon halb acht. Der Nebel war dicht. Alles sah verschwommen aus. Außer mir war niemand unterwegs. Alles war nur für mich da. Meine geliebte Strecke – ich kenne sie wie meine Westentasche – zeigte sich von einer seltenen und überraschenden Seite: ziemlich verschleiert. Ich finde diese Wege immer schön, doch heute Morgen schienen sie mir besonders anmutig und geheimnisvoll.

Wie wäre es mir eigentlich vorgekommen,wenn ich diese Landschaft nicht so gut kennen würde? Wenn ich nicht wüßte, was alles im Nebel verborgen bleibt? Wenn ich nicht wüßte, wie der Weg weitergeht? Wenn ich immer  nur 20 Meter weit sehen könnte, was da kommt?

Ich müßte mich auf Vieles in meiner Nähe konzentrieren, weil weit Entferntes nicht in meinen Blick geraten kann. Vielleicht würde ich langsamer gehen, weil mich nichts aus der Ferne zieht. Ich würde länger bei den Dingen verweilen, sie länger betrachten. Dann würde mir das Weniger-Sehen-Können Zeit schenken. Und intensivere Erlebnisse beim Da-Sein.

Vielleicht würde ich aber auch schneller gehen wollen, damit ich auch das sehen kann, was sich im Nebel verbirgt. Trotz geringeren Überblicks könnte ich loslaufen und mich überraschen lassen von Begegnungen. Dabei hätte ich das Gefühl, immer wieder Neuland zu betreten. Ohne lange anvisiert worden zu sein, könnten Begegnungen und Erlebnisse auf mich zukommen. Auch das würde sich sehr lebendig anfühlen.

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Philosophieren mit Bildern (5) Ein Baum nach der Chemo

April 20th, 2011

Unter einem schönen Baum stellt man sich prototypisch wohl immer einen mit voller Krone vor. Groß gewachsen, kräftiger Stamm, grün im Laub. Etwa so wie eine Kastanie. Ein Baum wächst über Jahrzehnte, manche über Jahrhunderte, wenn man sie lässt. Er verändert sich durch alle Jahreszeiten. So schön er im Frühling blühen kann, so intensiv kann er im Winter “tot sein” spielen.

Manchmal ist ein Baum auch wirklich tot. Oder so stark zurechtgestutzt, dass man ihn nicht wiedererkennt.

bis 11.Feb. 2011 Kaiserswerth 012

Keine Zweige, keine Blätter. Ein bizarres Gerippe. Die verbliebenen Äste sind um seinen Stamm verteilt und lassen seine vormalige Größe ahnen. Wahrscheinlich sähen alle anderen Bäume seiner Umgebung ohne Äste und Laub auch so aus. Aber er ist der einzige, der sich so zeigt. Ein sehr individueller Blickfang. Bizarr und spannend. Ungewöhnlich und apart. Vielleicht etwas erschreckend oder traurig. Aber faszinierend, weil er etwas zeigt, was man normalerweise an einem Baum nicht sieht.

Etwas Intimes. Sonst durch Laub verhüllt. Etwas Wesentliches, unverstellt. Etwas, das am längsten von ihm bleibt.

Ein Baum nach der Chemo. Was zeigt er, wenn der Kopfputz fehlt? Ein so spannendes Formenspiel, dass man den Blick gar nicht abwenden möchte.

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Abschiedsritual

Januar 18th, 2011

Abschied schmerzt. Endgültiger Abschied schmerzt dauerhaft. Deswegen sind Abschiedsrituale wichtig. Sie lindern den Schmerz. Warum können sie das?

Abschiedsrituale,  die in Gemeinschaft gefeiert werden,  lindern Schmerz, weil sie ermöglichen, ihn zu teilen. Sie schaffen ein Erlebnis, das in die Zeit nach dem Verlust gehört. Sie sind eine Verbindung zwischen der Zeit mit dem Menschen, der nun gestorben ist und der Zeit nach seinem Tod. Der Bruch, mit dem der Tod die Zeit des gewohnten Miteinanders von uns trennt, wird so verbunden.

Das mobile Hospiz- und Palliativteam der Tiroler Hospizgemeinschaft feiert ein Jahresritual, dessen Bilder sich lohnen, angeguckt zu werden.

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Fragen am Ende des Lebens

Oktober 22nd, 2010

In meinen gestrigen Vortrag “Fragen am Ende des Lebens” für das Hospiz in Lüneburg habe ich über einen Konflikt gesprochen, der Menschen bei einer Krebsdiagnose heimsuchen kann. Mitten in den Schock, den die Erkrankung oft bedeutet, mischt sich manchmal Verzweiflung. Ein philosophisches Gespräch hat gute Möglichkeiten, aus der Verzweiflung herauszuhelfen. Denn hinter ihr verbirgt sich eine Vorstellung von gerechter, fairer Behandlung. Etwa so: Ich möchte eigentlich vom Leben genauso wichtig genommen werden, wie ich auch mein Leben wichtig nehme. Das wäre gerecht, ausgewogen, ausbalanciert. Oder: Ich habe mein Leben geschenkt bekommen und möchte es auch behalten. Als Kind haben wir das oft gesagt: Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestolen. Da ist dann das Gefühl: Es ist unfair, was diese Krankheit mir antut. Manche Menschen forschen auch nach einem Grund oder einer Ursache, warum ihnen diese Krankheit beschert wird. Etwa: Was habe ich verbrochen, wofür das jetzt die Quittung ist. Auch das ist eine Vorstellung von Gerechtigkeit im Sinne von Ausgleich. Etwas Gutes wird mit Gutem vergolten und etwas Böses mit Bösem. Es wird eine Balance, eine Ausgewogenheit wieder hergestellt. Man kann in einem philosophischen Gespräch nach vielen Seiten abwägen, was an einer solchen Haltung sinnvoll ist und was daran nicht sinnvoll ist. Man kann über die Gründe reden, warum jemand das denkt, was er denkt. Man kann z. B. fragen,warum Böses mit Bösem vergolten werden soll. Und man kann schließlich überlegen, welche Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness man verwirklichen würde, wenn man die Welt selbst erfinden würde.

Am Ende sagte einer der Zuhörer, dass es Gerechtigkeit doch gar nicht gäbe. Ob es Menschen bei Erdbeben oder Flutkatastrophen träfe, es sei niemals gerecht. Das stimmt, wenn es die nicht-menschliche Natur betrifft. Die handelt nicht nach Prinipien der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine Erfindung von Menschen. Ohne Menschen gäbe es sie nicht. (Was nicht automatisch heißt, dass es sie mit Menschen denn gibt.) Ohne Menschen gäbe es aber nicht einmal die Idee von Gerechtigkeit. Und nur weil wir diese Idee haben, regen wir uns überhaupt darüber auf, wenn es ungerecht zugeht. Auch wenn wir in unserem Handeln die Prinzipien von Gerechtigkeit nicht walten lassen, spüren wir dennoch ziemlich schnell, wann wir dagegen verstoßen. Ganz im Unterschied zu Krebs, Erdbeben und Überschwemmungen. Die kommen einfach und haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

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