“Ist das immer noch nicht weg?” – Reaktionen anderer (2): Lymphödem

Mai 9th, 2012

Lymphödeme sind weitgehend unbekannt.

Nicht nur viele Ärzte wissen nicht damit umzugehen. Darunter sind auch GynäkologInnen, die zumindest unter ihren Brustkrebspatientinnen einige haben, die als Spätfolge ein Ödem entwickeln. Eine Überweisung zu einem Gefäßspezialisten wäre dringend geboten, ist aber die Ausnahme. Darüber kann man sich ärgern, und man kann Aufklärung betreiben, damit die Kenntnis dort angereichert wird, wo sie fehlt.

Auch alle anderen wissen nicht Bescheid. Da kommen hilfsbereite Menschen in Geschäften, in der Bahn und wo sie sich sonst immer aufhalten und geben ungefragt Ratschläge: “Das müssen Sie kühlen.” Oder: “Am besten 14 Tage ruhig stellen und nichts machen.”

Und habt Ihr schon mal gezählt, wie oft Ihr von den Menschen, die Euch und Euer Ödem kennen, gefragt werdet: “Hast du das immer noch?” und “Ist das immer noch nicht weg?” Das kann dann wirklich ätzend werden, wenn dabei etwas von leisem Vorwurf mitschwingt: Da hast Du Dich wohl nicht richtig gekümmert! Ich frage einen Beinamputierten auch nicht, warum das immer noch nicht nachgewachsen ist!

Was ist das für eine Situation? In Sachen Krebs – oder Demenz – sind wir so schön aufgeklärt und können öffentlich darüber sprechen, ohne uns verstecken zu müssen. Bei Krebs – und dank Menschen wie Rudi Assauer auch bei Demenz – ist alle Peinlichkeit abgeschafft. Aber bei etwas, das unser Leben gar nicht bedroht, schlägt die Unwissenheit zu und nervt. Es sind nicht nur die ungefragten Kommentare, die nerven. Das Ödem selbst nervt auch. Am Grad meiner Genervtheit versuche ich mir dann klarzumachen, wie gut es mir eigentlich geht. Und dass die Menschen, die mich kennen, mich nicht mehr mit “Kranksein” gleichsetzen. Und wie normal alles wieder geworden ist.

Bis auf das nervende Ödem…

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