Ehrlichkeit ist Trost – Reaktionen anderer auf die Diagnose (1)

November 10th, 2011

Haben Sie sich bei Ihrer Diagnose gefragt, wen Sie wie darüber informieren müssen? Und mit wem Sie darüber nicht sprechen wollen? Das ist eine gute Frage, auf die sich eine wohl überlegte Antwort lohnt. Man ist in dieser Zeit selbst unter Schock und weiß noch nicht, was wird. Da tun Menschen gut, die mit einer solchen Situation sensibel umgehen können. Aber was müssen die eigentlich können? Brauchen die Erfahrung? Wie viele solcher Situationen müssen die schon erlebt haben, um die richtige Sensibilität gelernt zu haben?

Eines meiner ersten Erlebnisse war so schön, dass ich sagen kann, man muss gar nichts können außer ehrlich und authentisch sein. Hier mein Beipiel:

Ich musste Frau N., einer Auftraggeberin, die mir Kunden vermittelt hatte, klar machen, dass ich für Ihre Leute mehrere Monate nicht mehr da sein kann. Für Selbstständige wie mich ist Unzuverlässigkeit schlecht für das Geschäft. Sie aber meinte, dass die meisten Kunden dafür großes Verständnis hätten und warten würden, bis ich wieder da sei. Das war schon eine wichtige, große Erleichterung für mich. Das allerschönste kam aber zum Schluss. Als wir das Gesprächsende ansteuerten, sagte sie: “Ich würde Ihnen so gerne etwas Gutes wünschen. Ich bin aber selbst richtig schockiert und habe das auch noch nicht erlebt. Ich weiß gar nicht, was man da sagt.” Und ich antwortete so etwas wie “Mir geht es auch so.” Wir waren also zu zweit in unserer Unerfahrenheit. Sie war so klar in ihrem Wunsch, den sie uns beiden gerade nicht erfüllen konnte.  Eine wohltuende Augenhöhe für mich. Sie hat nicht die Starke gespielt, was mich klein gemacht hätte. Sie hat nicht ihren Schock ausgespielt, der meinem nicht geholfen hätte. Ihre Worte haben mir die Situation so gespiegelt, wie sie auch für mich war: Neu, schockierend und ich selbst unerfahren damit und von ganz anderen Wünschen erfüllt, die gerade nicht realisierbar waren.

Eine unvergessliche Erfahrung, dass Wortlosigkeit in tröstende Worte gefasst werden kann und als solidarisch empfunden werden kann.  Vielen Dank, liebe Frau N.

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