Philosophieren mit Bildern (5) Ein Baum nach der Chemo

April 20th, 2011

Unter einem schönen Baum stellt man sich prototypisch wohl immer einen mit voller Krone vor. Groß gewachsen, kräftiger Stamm, grün im Laub. Etwa so wie eine Kastanie. Ein Baum wächst über Jahrzehnte, manche über Jahrhunderte, wenn man sie lässt. Er verändert sich durch alle Jahreszeiten. So schön er im Frühling blühen kann, so intensiv kann er im Winter “tot sein” spielen.

Manchmal ist ein Baum auch wirklich tot. Oder so stark zurechtgestutzt, dass man ihn nicht wiedererkennt.

bis 11.Feb. 2011 Kaiserswerth 012

Keine Zweige, keine Blätter. Ein bizarres Gerippe. Die verbliebenen Äste sind um seinen Stamm verteilt und lassen seine vormalige Größe ahnen. Wahrscheinlich sähen alle anderen Bäume seiner Umgebung ohne Äste und Laub auch so aus. Aber er ist der einzige, der sich so zeigt. Ein sehr individueller Blickfang. Bizarr und spannend. Ungewöhnlich und apart. Vielleicht etwas erschreckend oder traurig. Aber faszinierend, weil er etwas zeigt, was man normalerweise an einem Baum nicht sieht.

Etwas Intimes. Sonst durch Laub verhüllt. Etwas Wesentliches, unverstellt. Etwas, das am längsten von ihm bleibt.

Ein Baum nach der Chemo. Was zeigt er, wenn der Kopfputz fehlt? Ein so spannendes Formenspiel, dass man den Blick gar nicht abwenden möchte.

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