Philosophieren mit Bildern (2)

Mai 24th, 2010

Brücke und Fenster, Venedig 2010

Wohin kann man sehen? Auf Mauern, auf Wasser, auf ein geschlossenes Fenster. Es gibt Andeutungen von Wegen und Auswegen. Rechts kann das Wasser unter der Brücke durchfließen. Man kann nicht sehen, wohin. Man ahnt, dass man auch über die Brücke gehen kann, aber man sieht es nicht. Das Fenster ist geschlossen – nicht ganz dicht, aber es gibt keinen Blick auf das dahinter liegende Zimmer. Statt auf Weite, Horizont, Perspektiven blickt man auf Mauern. Alles scheint still zu sein. Auch das Wasser ist still. Trotzdem zeigt sich  viel: Es gibt eine Farbigkeit, da ist ein kleiner Sonneneinfall im Wasser, die Mauern leben durch Spuren von Verwitterung. Der kleine Spalt in den Türblenden läßt vermuten, dass das Zimmer bewohnt ist. Vielleicht hört man Geräusche von innen.

Und wohin geht der eigene Weg? Um über die Brücke zu gehen, muss man das Bild verlassen können. Vor sich hat man das Wasser. Wie tief? Das Fenster zu hoch. Das Bild zeigt einen Zustand, nicht einen Ausweg. Es zeigt Ruhe. Zeigt es Abweisung? Zeigt es Geborgenheit? Engt es ein? Zu welcher Phantasie – zu welchen Gedanken über das Leben oder über dessen Ende regt uns das Bild an?

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One Response to “Philosophieren mit Bildern (2)”

  1. Monika

    Liebe Agnes,
    diese Bildphilosophie finde ich großartig!
    LG
    Monika