Wann ist der Mensch krank – wann ist er gesund?

Oktober 20th, 2015

Zu dieser Frage versammelten sich vor ein paar Tagen eine Gruppe von Menschen, um sie in einem NewSocraticDialogue zu beantworten.

Der NewSocraticDialogue ist eine Methode, bei der eine überschaubare Gruppe von Menschen von einem Beispiel ausgehend versucht, eine verallgemeinerbare und konsensuelle Antwort auf eine Frage zu entwickeln, ohne Zuhilfenahme von Büchern u.ä..

Wir waren uns ziemlich schnell einig, dass Gesundheit ein Ideal ist, das wohl kaum ein Mensch erreicht. Die Älteren haben Arthrose, die Jüngeren vielleicht Karies oder schiefe Zähne, die gerichtet werden müssen (müssen?).

Wenn wir also nie komplett gesund sind, kommt es darauf an, wie wir uns selbst sehen, ob wir uns als krank oder als gesund bezeichnen. Und wie wir uns dazu verhalten. Denn wenn wir sagen, wir seien krank, und gleichzeitig nichts dagegen unternehmen, dann verhalten wir uns widersprüchlich. Oder umgekehrt, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Gesundheit ist, wenn man es der ärztlichen Behandlung entzieht.“

Mein Fazit nach dem Gespräch ist das:

Ein Mensch ist eher krank, wenn er nach Heilung sucht, um die Krankheit zu bekämpfen.

Hat er die Diagnose/den Zustand akzeptiert und versucht, damit zu leben, ist er weniger krank. Um damit zu leben, kann ihm helfen:

  • psychischer Wille, die Krankheit nicht ins Zentrum seines Interesses zu stellen, sondern stattdessen beglückende Momente oder andere Lebensziele, die Erfülltheit schenken
  • Kenntnisse über die Krankheit, z. B. den Verlauf kennen, oder die Dauer der Schmerzwellen kennen
  • Methoden und Techniken, mit denen sich Schmerzen lindern oder vermeiden lassen
  • Möglichkeiten außerhalb seiner selbst, trotz der Krankheit eine Lebenserfüllung zu finden. Diese Möglichkeiten können sowohl Hilfsmittel wie Rollstühle als auch Menschen sein, von denen man geliebt wird oder mit denen man befreundet ist und die einem Zuwendung schenken.

Diese Antworten waren nicht auf eine tödliche Krankheit bezogen, sondern auf eine chronische, die nicht zum Tod führt. Trotzdem habe ich erlebt, dass sie auch auf die Zustände passen, in denen Menschen wissen, dass sie an der Krankheit sterben werden.

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Gerechtigkeit gibt’s nur bei uns

Mai 18th, 2015

“Warum ich?” oder “Womit hab ich das verdient?” – Das sind Fragen, die Krebserkrankte sich selbst und ihren Ärzten häufig stellen. An Krebs zu erkranken, wird von vielen Menschen als zutiefst ungerecht empfunden. Was antworten Ärzte dann? Den meisten fällt nur diese Antwort ein: “Gerechtigkeit gibt es nicht.”

Sehr tröstlich, was? Ok, Naturwissenschaftler und Menschen, die immer das Gegenständlich-Objektive und Reale suchen, die mögen das so sehen. Wer so denkt, für den ist Krebs genau der Beweis dafür, dass es keine Gerechtigkeit gibt. Geisteswissenschaftler aber – und zu denen gehören Philosophen -  sehen das anders: Es gibt Gerechtigkeit, und zwar als Idee. Es gibt sie nicht in der Natur. Sie ist eine Erfindung von Menschen.

Eigentlich ist das ganz einfach: Schon die Frage, ob ich eine solche Krankheit verdient habe, zeigt, dass ich eine Vorstellung von Gerechtigkeit habe. Jede Person weiß intuitiv, dass das jetzt nicht gerecht ist,  wenn diese (oder eine andere) Krankheit oder ein anderer Schicksalschlag über sie hereinbricht. Gerecht wäre, dass das Leben einfach so weiterginge wie bisher. Es gehört einem schließlich schon seit der Geburt und jetzt soll es einem gestohlen werden? Mit welchem Recht? Die Erfahrung von Ungerechtigkeit lässt ein Gefühl von Empörung in uns toben.   Da Krebs zudem oft als ein Todesurteil angesehen wird, ruft er ein Gefühl von Ohnmacht und Verzeiflung hervor. Es scheint so, als bekäme man die Todesstrafe, obwohl man gar nichts verbrochen hat.  So etwas empfinden wir als ungerecht.

Krebs und wir, wir passen nicht zusammen. Denn Krebs (wie andere Krankheiten und Schicksalsschläge auch) weiß nichts von Recht oder Gerechtigkeit. Er kommt aus der Natur und agiert nach ihrem Gesetz: Wer stärker ist, gewinnt. Ob jemand es verdient hat, steht überhaupt nicht zur Debatte. Demgegenüber haben wir Menschen die Idee der Gerechtigkeit entwickelt, weil wir uns als Menschen respektieren wollen, weil wir vor dem Gesetz alle gleich sein wollen, weil wir Respekt vor unseres Gleichen haben wollen und ihn von anderen erhalten wollen. Indem wir uns so behandeln, gestehen wir uns gegenseitig Respekt, Autonomie und Würde zu. Philosophen wie Kant sind der Meinung, dass wir ein Gefühl dafür haben, dass wir in dem Anderen auch uns selbst wertschätzen, weil wir in ihm einen Gleichen erkennen. Kant nennt es das “Sittlichkeitsgefühl”. Es ist das, was aus Naturwesen Kulturwesen macht. (Das heißt nicht, dass alle Menschen sich auch wie Kulturwesen verhalten. Wir sind autonom und können uns auch dagegen entscheiden. Dummerweise.)

Krebs passt nicht in unser Werteverständnis. Er torpediert es. Und die Angst, dass wir den Kampf verlieren, ist sehr groß.

Welchen Trost gibt es? Vielleicht nur den: dass wir zu dieser Spezies dazugehören, die eine solche wunderbare Idee wie Gerechtigkeit erfinden und entwickeln konnte. Wir können uns in diese Idee neu verlieben, weil wir in dem Moment ihren tiefen Wert erkennen. Vielleicht kann man für diese Erfindung die Menschheit lieben, zu der man schließlich selbst gehört. Unser Leben ist damit noch nicht gerettet, unsere Gesundheit noch nicht wieder hergestellt, aber wir haben uns mit einer großen Idee verbunden. Das ist ein wieder hergestellter Sinn, der uns in der Katastrophe trösten kann.

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Fatigue – existential-philosophisch erklärt

August 15th, 2014

Eine von der Forschergruppe um Privatdozent Salah-Eddin Al-Batran und Felix Tauchert vom Institut für Klinisch-onkologische-Forschung am Krankenaus Nordwest in Frankfurt durchgeführte Umfrage unter 2000 Patienten mit einer Krebserkrankung über die Einschränkung ihrer Lebensqualität zeigte ein für Mediziner überraschendes Ergebnis:

Nicht Schmerzen und Übelkeit wurden an erster Stelle genannt, sondern Fatiguesymptome wie Müdigkeit und Schwäche.

Die gute Nachricht: Die Medizin ist so weit, dass sie die Leiden erfolgreich bekämpfen kann, die bisher die Liste der belastenden Begleiterscheinungen anführten.

Die schlechte Nachricht: Die Ursachen von Fatiguesymptomen sind bisher medizinisch nicht erklärbar – und damit nicht seriös behandelbar.

Kann man Fatiguesymptome philosophisch erklären und durch philosophische Besinnung erträglicher machen? Ich meine: ja!

Eine Krebsdiagnose triff die meisten Menschen aus heiterem Himmel. Plötzlich aus einem gesund empfundenen Leben heraus werden sie mit der Möglichkeit des eigenen nahen Todes konfrontiert und meistens bis ins Mark erschreckt. Was ändert sich philosophisch – in unseren Einstellungen, in unseren Gedanken – durch eine solche Diagnose? Alles!

Bisher waren wir gewohnt, Pläne zu machen, unsere Tage, unser Leben zu strukturieren. Wir konnten uns auf Gewissheiten verlassen, z. B. dass man in dieser Gesellschaft mindestens 80 wird. Oder dass natürlich nach einem Heute ein Morgen kommt. Oder dass man sich auf die Auszahlung der Lebensversicherung freut und dann eine Weltreise macht. Und dass man ungeplant in den Tag hineinleben kann, weil noch so viele Tage kommen werden. Oder dass alles, was man verpasst hat, eben später oder beim nächsten Mal kommt.

Viele dieser Gewissheiten sind so normal, dass sie uns im gelebten Alltag gar nicht bewusst werden. Wir leben einfach mit ihnen und nehmen sie nicht als etwas Besonderes zur Kenntnis. Und dann, nach der Diagnose? Man kann sich das vorstellen wie ein Erdbeben. Alles rumst und ruckelt durcheinander. Nichts gilt mehr so wie vorher, keine dieser Gewissheiten steht mehr gerade oder da, wohin sie gehört. An nichts kann man mehr glauben, am allerwenigsen an die Zukunft. Die grundsätzlichste Basiserfahrung, einfach leben zu können, ist ab jetzt ungültig.

Nach einer solchen Erschütterung kann man Fatiguesymptome existential-philosophisch erklären. Sie stellen die Leere dar, die die gestorbenen Gewissheiten hinterlassen. Das, worauf wir unseren Alltag, unser Leben, selbstverständlich aufgebaut haben, ist zusammengebrochen, hat keine Basis mehr. Was jetzt eintritt, ist eine Trauer über das Verlorene, das Abhanden-Gekommene, das sich meistens gar nicht richtig in Worte fassen lässt. Wenn existentielle Grundpfeiler zusammenbrechen, dann steht kein Stein mehr auf dem anderen, dann muss ein Mensch sich neu sortieren. Allerdings gibt es zunächst überhaupt keine Orientierung wohin, denn was soll noch gelten, wenn nichts mehr gilt? Was soll das Ziel sein, wenn alles ungewiss ist? Vielleicht kann man es sogar in dieser Symbolik ausdrücken: Die Symptome der Fatigue symbolisieren die Leere, die die verlorenen Gewissheiten hinterlassen. Sie waren die Grundorientierung im Leben eines Menschen. Ohne Orientierung herrscht Ratlosigkeit. Ratlosigkeit macht handlungsunfähig. Verlust macht traurig. Trauer kann lähmen.

Verlust, Trauer, Orientierungslosigkeit und Ratlosigkeit, vielleicht ist das alles zusammen der Zustand, den man Fatigue nennt.

Menschen, die plötzlich mit Todesfällen Nahestehender weiterleben mussten, fühlen sich oft ähnlich: müde, schwach und deprimiert. Bei ihnen akzeptiert man diese Zustände als Zeichen der Trauer. Ich begreife Fatigue als etwas Ähnliches. Hier betrauern wir keinen gestorbenen Menschen, aber gestorbene existentielle Gewissheiten, die die Grundfesten unseres unhinterfragten Alltagsverständnisses ausmachen.

Wenn wir statt Selbstverständlichkeiten nur noch Fragen und Brüche sehen, die unsere Minuten ausmachen, dann sind wir existenzielle überfordert und können keinen normalen  Alltag leben. Fatigue verstehe ich deshalb als einen existenziellen Zustand nach tiefen Erschütterungen.

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Lymphdrainage, bei der man sich nicht wohl fühlt

Mai 21st, 2014

Lymphdrainage ist immer schön? Wer es anbietet, kann es auch? Stimmt eigentlich. Ich bin nur zweimal reingefallen. Bei bisher 6 Versuchen. Das erste Mal: Eine Physiotherapeutin hat pausenlos geredet, Selbstdarstellung über Selbstdarstellung und dabei immer aufgehört zu arbeiten. Gut, das kann man mal ansprechen und wenn es sich nicht ändert, geht man halt woanders hin.

Das Zweite Mal war allerdings ein schwierigerer Fall. Ein etwas zackiger Mann, der mich nicht direkt ansieht, sondern auf das Rezept, auf meine Schuhe oder auf das Bild an der Wand. Ich war auch irritiert, als er sich meinen Arm gar nicht so richtig ansieht, sondern in jeder Stunde dasselbe macht, auch wenn der Zustand in Arm und Hand sich verändert. Auch das kann man ansprechen. Wenn dann aber die Antwort kommt, dass das so sein muss, weil man das ja von der Pieke auf gelernt hat und ganz genau Bescheid weiß, dann kann ich mit meiner Erfahrung als Patientin einpacken.

Und dann diese Kleinigkeiten. Wenn jemand es nicht hinkriegt, die (allerdings sehr spezielle) Liege so einzustellen, dass beide Beine in gleicher Höhe nebeneinander liegen können, sondern das eine immer 10 Zentimeter höher liegt, dann zweifle ich als Patientin die Kompetenz des Phyiotherapeuten an.

Und wenn er meint, um die Lymphe in Bewegung zu bringen, die Nieren massieren zu müssen, weil die mit dem Wasserhaushalt zu tun haben, dann bin ich überzeugt: er hat sein Examen aus dem Copy-and-Paste-Studio.

Und schließlich: wenn mein Arm auf seinem Bein liegt und meine Hand auf seiner Hosentasche und  in der Hosentasche befindet sich ein großes zerknülltes Stofftaschentuch, dann mag ich das nicht mehr ansprechen und dann bleibe ich wieder weg. Und das haben ganz viele andere PatientInnen auch gemacht und jetzt steht die Praxis wieder leer. Für ihn ist das sicher eine existenzielle Katastrophe, aber für Patienten ist das so besser.

Ich bin jetzt bei einer Physiotherapeutin, die in Holland studiert hat und gut erklären kann. Sie sieht sich jedes Mal meine Hand und den Arm an und entscheidet dann, was sie macht. Sie fragt mich, wie es mir geht und ob ich etwas Besonderes beobachtet habe. Sie gibt mir Feedback für die Maßnahmen, die ich selbst treffe, wie nächtliches Wickeln usw. Außerdem hat sie gute Laune und Humor. Was will ich mehr? Vielleicht ein paar Stunden dazu…

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Haarverlust – wie wird die Angst davor kleiner?

März 14th, 2014

Fast alle Frauen, mit denen ich gesprochen habe, fürchten sich vor einer Chemo am meisten davor, die Haare zu verlieren. Warum? Haarverlust ist keine Übelkeit. Haarverlust macht keine Schmerzen. Es könnte eigentlich egal sein.

Ich erinnere mich noch genau, wie oft ich vor dem Spiegel stand und mir vorstellte, wie ich wohl ohne Haare aussehen würde. Mit Handtüchern und Bändern habe ich sie mir aus dem Gesicht gehalten. Immer wenn ich nicht schlafen konnte, fand ich mich wieder und wieder vor dem Spiegel und habe mir mich ohne Haare vorzustellen versucht. Ich empfand es selbst als große Niederlage, mich vor dem Haarverlust zu fürchten. Es war so irrational: ich hatte gerade den Krebs überlebt, da fürchte ich mich vor Haarverlust? Was waren das denn für Maßstäbe?

Ich fing an, die Angst zu rationalisieren. Ok, ich war eitel. Ok, für Frauen sind die Haare wichtiger als für Männer. Und ok – erst durch den Haarverlust wird der Krebs sichtbar – für alle sichtbar. Und dann kann man ihm mental nicht mehr entrinnen, denn man wird immer wieder darauf gestoßen. Durch Spiegel, durch andere, durch Perückengefühl. Eben etwas Fremdes auf dem Kopf. Der Kopf ist schließlich etwas anderes als ein Zeh. Ein Zeh ist weit weg vom Wesentlichen. Aber der Kopf? Der ist das Wesentliche.

Das Rationalisieren machte Spaß. Die Angst wurde davon aber nicht kleiner.

Ich brauchte eine andere Strategie.

Damals ersann ich eine Lösung, die ich heute überall im Leben anwende: Ich beschloss, etwas zu erfinden, wie mir das, was bevorstand, Spaß machen konnte. Wenn ich meine Frisur so sehr vermissen würde, müsste also dafür etwas her, was den Verlust wettmacht und noch etwas oben drauf setzt (im wahrsten Sinne des Wortes). Es musste etwas sein, das nicht nur kaschiert, sondern noch toller ist als eine Frisur.   Und so habe ich Perücken erfunden. Perücken unglaublicher Machart. Wolle, Luftschlangen, Plastikschnüre, Geschenkbänder – nichts war vor mir sicher. Alles wurde zu Kopfbedeckungen und Ersatzhaaren und -Frisuren verarbeitet. Die Phantasie tobte aus mir heraus und machte die Zukunft unbegrenzt.

Das war das Prinzip: der Bedrohung mit Kreativität begegnen. Sich nicht von der Zukunft beschränken lassen, sondern selbst die Zukunft überraschen. Auch wenn es (nur) eine Phantasie von Allmacht war, sie war zum Verlieben…

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Einfach krank

Februar 5th, 2013

Sie jammern über Grippe? Kann man auch genießen. Ich jedenfalls.

Sie bahnte sich so langsam an. Morgens schon mit dem gewissen Gefühl, dass das ein anstrengender Tag wird. Es schien auch so verlässlich konsequent, dass nach der laufenden Nase sich jetzt ein Husten dazugesellt. Und am Abend dieses Tages Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Mir war kalt, obwohl ich mich heiß anfühlte. Einziger Wunsch: ins Bett und schlafen. In 24 Stunden wurde ich zwei Mal wach und dachte glücklich: weiterschlafen….

Es war sooo schön. Eine Krankheit, die nicht die Angst schickt und den Schlaf raubt. Eine Krankheit, die man ankommen spürt wie ein verlässliches Versprechen. Eine Krankheit, die so ehrlich an Ort und Stelle weh tut. Man spürt genau, was man tun muss, um sie wieder loszuwerden. Eine Krankheit, die sich so erstaunlich sorgenfrei anfühlt. Die nicht die ganze Zukunft in Frage stellt. Die kein Misstrauen streut, keine Panik macht, keine schlaflosen Nächte, keine angsterfüllten Mitmenschen. Hatte ich ganz vergessen, dass krank sein auch mal so einfach sein kann. Sehr schönes Erlebnis.

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Geh Deinen Weg – Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Januar 9th, 2013

In Anknüpfung an die inzwischen sehr beliebten Tageswanderungen für Krebsbetroffene rund um Oldenburg und die erfolgreiche Pilgerwanderung in 2012 auf dem Sigwardsweg planen wir für 2013 weitere interessante Wanderungen.

Sich selbst wieder etwas zutrauen nach einer Krebserkrankung, so könnte das Motto der Wanderungen lauten. Die körperliche Leistungsfähigkeit und das Selbstbewußtsein wird gestärkt, und im Gehen können Erfahrungen mit der Erkrankung besser verarbeitet werden. Wissenschaftliche Studien belegen sogar eine Verringerung des Rückfallrisikos und eine Verlängerung der Lebenszeit durch körperliche Bewegung.

Gerade das Wandern, die Bewegung zu Fuß in der Natur, ist die natürlichste Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Wandern im Ammerland bei Oldenburg

Wanderweg im Ammerland bei Oldenburg

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, hier vor Ort gemeinsam mit anderen Teilnehmern, geführt von dem erfahrenen Wanderführer Wolfgang Ehlts, Erfahrungen mit dem Thema „Bewegen zu Fuß“ zu sammeln. Gewinnen Sie das Vertrauen in die KräfteIhres Körpers zurück.

Wandern auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Als Einstieg für Sie sollten Sie an mindestens einer Tageswanderung teilnehmen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Diese Wanderung wird Sie mit leichtem Gepäck (Ihre Tagesverpflegung) über circa 18 bis 20 km auf dem Ringweg um Oldenburg oder in die Oldenburger Umgebung führen.

Sollte Ihnen diese Aktivität zusagen, und Sie Kraft und Mut für weitere Wanderungen aufbringen, wird der Wanderführer Wolfgang Ehlts gerne mit Ihnen über 5 Tage hinweg insgesamt circa 90 km auf dem Hümmlinger Pilgerweg pilgern. Unterkünfte sind für Sie vorgebucht. Ein Gepäcktransport kann von Ihnen ganz oder teilweise in Anspruch genommen werden. Wir empfehlen, trotzdem nur das wirklich Notwendige mitzunehmen.

Wir starten in Börger mit dem Pilgersegen und enden auch dort wieder. In 5 Etappen führt uns der landschaftlich schöne Pilgerweg ohne größere Steigungen durch den Hümmling.

Die im Voraus zu überweisenden Kosten für die Pilgerwanderung in Höhe von 320 Euro beinhalten die Fahrtkosten hin und zurück, 4 Übernachtungen mit Frühstück, die Wanderleitung, gegebenenfalls Gepäcktransport, das Informationsmaterial zur Strecke und den Pilgerpass. Kalkulieren Sie bitte weitere individuelle Kosten für Ihre Verpflegung unterwegs.

Die Teilnahme an den Tageswanderungen sind bis auf Ihre persönlichen An- und Abreisekosten sowie gegenenfalls Verzehr unterwegs kostenlos.

Für die Tageswanderungen sinnvoll

Wanderweg bei Oldenburg mit Wald, Feld und Bach

Zwischen Feld und Wald am Bach wandern im Ammerland bei Oldenburg

 feste Wanderschuhe

 normaler kleiner Rucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Lunchpaket

 Regenkleidung

Für die Pilgerwanderung sinnvoll

 feste Wanderschuhe

 Wanderrucksack

 gefüllte Wasserflasche (mind. 1 Liter)

 Obst und Snacks für unterwegs

 Regenkleidung

 Schuhe und Kleidung zum Wechseln

Weg auf Wiesengrund im Ammerland bei Oldenburg

Wandern auf Wiesenwegen im Ammerland bei Oldenburg

 gegebenenfalls etwas Lesestoff

Termine 2013

 27. April 2013

Tageswanderung

 25. Mai 2013

Tageswanderung

 20. Juli 2013

Tageswanderung

 7. September 2013

Tageswanderung

 27. September 2013

Vorbereitungstreffen zur Pilgerwanderung

 7. – 11. Oktober 2013

Pilgerwanderung auf dem Hümmlinger Pilgerweg

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung. Die Anmeldung für die Pilgerwanderung sollte bis Ende August 2013 erfolgen.

Veranstalter der Pilgerwanderung ist die Krebsberatungsstelle des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems im GesundheitsamtOldenburg, Industriestraße 1, 26121 Oldenburg

Ansprechpartnerin für weitere Informationen und Anmeldungen (bitte schriftlich) ist bei Dagmar Lienau, Telefon: 0441 235 8635, Krebsberatungsstelle Oldenburg.

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Ungerechtigkeit

Dezember 12th, 2012

Plötzlich kommt wieder so eine Nachricht: A hat Krebs. Oder: B hat Krebs. Nach der ersten Fassungslosigkeit stellt sich eine Trauer ein oder eine Angst. Und manchmal auch Wut und ein Gemisch von allem. In der Wut schwingt ab und zu so etwas mit wie: warum denn ausgerechnet meine liebste Freundin? Warum denn diese starke Frau? Wo es doch so viele Doofe gibt, die nicht mal Schnupfen haben. Wie ungerecht. Und wenn es dann noch Eltern trifft, die ihre Kinder erkranken sehen oder kleine Kinder, die ihre Eltern erkranken sehen, dann ist die Ungerechtigkeit noch größer. Womit haben sie das verdient?

Natürlich haben sie das gar nicht verdient. Krebs und der Körper, den er befällt, gehören zur Natur. (Natur im Sinne von Physik, Biologie, bio-chemischen Prozessen.) Diese Natur kennt keine Gerechtigkeit. Sie kennt nur das Recht des Stärkeren. Gerechtigkeit ist eine Erfindung von Menschen. Sie entstammt nicht dem Reich der Natur, sondern dem Reich der Ideen. Wir Menschen sind in der Lage, Gerechtigkeit als Idee zu erfinden und sie praktisch werden zu lassen. Natur kann das nicht.

Und das ist manchmal der einzige Trost in den schwarzen Tagen, dass wir selbst nicht ausschließlich diese Krankheit sind, sondern auch etwas anderes. Dass wir zu einer Gattung gehören, die solch wunderbare Ideen entwerfen kann. So bitter sich Mensch-Sein in der Krankheit anfühlen kann, so großartig ist es auch.

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Tageswanderung für Krebsbetroffene – Erlebnisbericht

Juli 16th, 2012

Es war letzten Samstag und sah den ganzen Tag nach Regen aus. Aber es war nur eine Tageswanderung und ich dachte, abends in die warme Badwanne und dann ist alles wieder gut. Und wie das so ist, wenn man erst mal losgeht, am Ende regnet es dann doch fast gar nicht.

Erst einmal  im Leben vorher war ich 19 km am Tag gelaufen – vielleicht war es aber auch weniger. Ich wollte gerne ausprobieren, wie das ist. Was ich wußte, war, dass jemand die Wanderung führt. Das war richtiger Luxus, nicht gucken zu müssen, ob man sich verlaufen hat. Was ich nicht wußte, war, wie viele mitkommen und wie lange es dauert.

Am Bahnhof habe ich die Mitwandernden an der Größe der Rucksäcke erkannt. Wir waren eine kleine Gruppe von vier Frauen und zwei Männern. Einige hatten abgesagt. (Vielleicht wegen des Wetters?) Es wurde sofort geduzt und der “Anführer” hieß Wolfgang.

Nach 10 Minuten Zugfahrt standen wir vor dem Bahnhof und wanderten los. Am Bach entlang, durch eine Wiese mit Skulpturen. An Gehöften und Bauerngärten vorbei, später durch Mais- und Kornfelder. Meistens gingen wir zu zweit und tauschten ab und zu den Partner. Wir haben über Urlaube geredet und über Kochrezepte und welche Hobbies und komischen Angwohnheiten die zuhause gebliebenen Partner hatten. Einer kaufte gerne Hemden, obwohl er schon so viele hat. Ein anderer fror immerzu, während seiner Frau immer zu warm war. Noch ein anderer kochte gern und wieder ein anderer sorgte immer für übervolle Kühlschränke und Gefriertruhen. Es gab auch jemand, mit dem man schweigend laufen konnte. Auch das war schön.

Immer wieder tauchte diese Frage auf: Wieviele Kilometer haben wir schon? Ist das schon ein Viertel? Ist das die Hälfte oder schon mehr?  – Warum wollten die das wissen? War das so etwas wie “Mama, wie lange noch? Wann sind wir da?” Später dachte ich, dass es darum ging, die eigenen Kräfte einschätzen zu lernen. Bei vielen lag die Erkrankung noch nicht lange zurück. Einige hatten auch schon eine andere Tagestour oder eine mehrtägige Pilgertour mitgemacht und tauschten Tipps aus. Z. B. muss man bei Muskelkater Treppen rückwärts runtergehen, weil man es sonst nicht aushält.

Wolfgang achtete darauf, dass das Tempo für alle passend war. Auf dem Mauerrand eines Windrades haben wir eine Essenspause eingelegt. Ich habe noch nie so viele gesunde Snacks auf einmal gesehen. Die regelmäßigen Geräusche der Windräder kannte ich auch noch nicht. Das war zwar nicht wirklich romantisch, aber das Essen schmeckte so gut und die heitere Stimmung machte Spaß: “Wo kann man denn hier pinkeln?” “Im Maisfeld hinterm Windrad. Für 50 Cent.”

Dann ging es weiter, diesmal durch Wäldchen, an einem See vorbei. Manche Wege waren bemoost. Kleinen Fröschchen, so groß wie ein kleiner Fingernagel, sind wir begegnet, Rehe und Hasen sprangen durch das Gras und eine tote Rötelmaus lag auf dem Weg, schon stark von Ameisen besucht.

Als es auf den letzten Kilometern anfing zu regnen, fing einer an, Witze zu erzählen. Und alle fanden, wir hatten Glück. Als wir im Bus saßen, war Ausruhen wunderbar. Nur Wolfgang wäre den Weg am liebsten noch einmal gegangen.

Was bleibt? Platzen vor Stolz. Denn der Oberwanderer Wolfgang hat gesagt, wir wären nicht sonderlich langsam gewesen. Es bleiben die Bilder der Landschaften, der Stimmungen und Eindrücke. Es bleibt eine Gelassenheit und eine ruhige Zuversicht.

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Pilgerwanderung

Mai 29th, 2012

Krebsbetroffene wandern in Richtung Gesundheit

Die Krebsberatungsstelle der Stadt Oldenburg und des Regionalen Tumorzentrums Weser-Ems bietet im Sommer wieder Tageswanderungen unter Leitung des erfahrenen Wanderführers Wolfgang Ehlts an. Teilnehmen können Krebsbetroffene aus Oldenburg und Umgebung. Die nächsten Tagestouren finden am 14.Juli und 15.September 2012 statt: Gewandert werden 19 bzw. 16 Kilometer auf dem Ringweg um Oldenburg. Zurück geht es mit dem Bus.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung im nächsten Frühjahr dienen, wie sie im Mai diesen Jahres das erste Mal stattgefunden hat. Vom 7. bis 11. Mai 2012 ist eine Gruppe Krebsbetroffener 80 Kilometer von Minden nach Idensen auf dem Sigwardsweg gewandert.  „Allein hätte ich das nicht geschafft!“ so die Aussage von mehreren der insgesamt 8 Teilnehmer (7 Frauen und ein Mann im Alter zwischen 44 und 68 Jahren) an der Pilgerwanderung für Krebsbetroffene. Trotz schlechter Nachrichten zwischendurch und verschiedener gesundheitlicher Einschränkungen erreichten alle Teilnehmer stolz und mit gestärktem Selbstbewußtsein das Ziel, die Sigwardskirche in Idensen, und erhielten dort den Abschlußsegen. Begleitet wurde die Gruppe vom Wanderführer Wolfgang Ehlts und der Psychologin der Krebsberatungsstelle im Gesundheitsamt, Dagmar Lienau, auf ihrem Weg durch das Wiehengebirge, das Wesergebirge und über die Bückeberge bis nach Idensen.

Die Eintageswanderungen sollen als Vorbereitung für eine mehrtägige Pilgerwanderung dienen, es kann aber auch unabhängig vom Interesse an einer längeren Wanderung teilgenommen werden.

Anmeldungen nimmt die Krebsberatungsstelle Oldenburg unter Telefon 0441 235-8635 oder per E-Mail an Dagmar.Lienau@stadt-oldenburg.de entgegen, außerdem Dr. Wolfgang Oschkenat unter Telefon 0441 36144007, der sich als Bewegungsmediziner am Wanderprojekt der Krebsberatungsstelle beteiligt.

Kosten: Dank der Unterstützung durch die Sparda-Bank müssen nur die Fahrtkosten  getragen werden.

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